Ein THC-haltiges Medikament könnte Marcel K. (22) helfen, ein normales Leben zu führen. Aber die Krankenkasse zahlt es nicht
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Psychische und körperliche Krankheiten, die Jugend im Heim verbracht, als junger Erwachsener straffällig geworden – im Leben von Marcel K., 22, aus Rheinhausen lief bislang so ziemlich alles schief. Jetzt könnte sich alles zum Besseren wenden: Seine Krankheit, das „Tourette-Syndrom”, wurde endlich erkannt und wird behandelt. Privat hat er durch eine Partnerin neuen Halt gefunden, ist seit kurzem verheiratet. Und über eine Ausbildung bei den Mülheimer Fliedner-Werkstätten soll es auch beruflich nach vorne gehen. Doch die Medikamente, die diesen Neuanfang möglich machten, sind teuer, und seine Krankenkasse will sie nicht zahlen – weil sie den als Droge verteufelten Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz THC, also die selbe Substanz wie Haschisch und Marihuana, enthalten.

„Tourette-Syndrom, einhergehend mt Selbstverletzung, stark ausgeprägten Tics und damit verbundenen depressiven Störungen sowie ausgeprägtes ADHS” lautete die Diagnose, die die Hannoveraner Medizin-Professorin Kirsten Müller-Vahl 2008 ausstellte. Bis dahin war es ein langer Weg: Von frühester Kindheit an war Marcel in Behandlung. Die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) wurde erkannt, das Tourette-Syndrom nicht. Stattdessen wurde er mit schwersten Psychopharmaka behandelt.

Die Eltern kamen nicht mit Marcel zurecht; die Hälfte seines Lebens verbrachte er in Kinderheimen. Durch die Krankheit wurde er zum Außenseiter, kam mit Drogen in Kontakt. Der Cannabis-Konsum brachte zwar unerwartete Symptom-Verbesserung, aber hauptsächlich Konflikte mit dem Gesetz, schließlich kam er sogar in Haft.

Zufällig entdeckt

Eher zufällig kam er mit Lars Scheimann von der Tourette-Selbsthilfegruppe NRW in Kontakt. Der 39-jährige leidet ebenfalls am Tourette-Syndrom, führt aber mittlerweile durch Behandlung mit Cannabis-haltigen Medikamenten – er ist einer von acht Deutschen, die die pure Hanfblüte verschrieben bekommen – ein normales Leben. Scheimann war „sofort aufgefallen, dass mit dem Jungen was nicht stimmt” – und zwar etwas, das er selber kannte. Eine Untersuchung bei Kirsten Müller-Vahl von der Uni Hannover, die mit Scheimanns Selbsthilfegruppe zusammen arbeitet, brachte Gewissheit: Marcel K. leidet an Tourette – und Dronabinol hilft ihm.

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