Klaus Lieb, Autor des eben erschienenen Buchs «Hirndoping», über den Trend zu Ritalin und Co. sowie über dessen Folgen.

Klaus Lieb ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Mainz. (Bild: Lukas Lieb)

Mittel, die das Gehirn pushen

Amphetamine: In den USA seit den 1930er-Jahren erhältlich. Lange galten sie als Allheilmittel. Anwendung heute: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). Amphetamine wirken auf die Botenstoffe Noradrenalin und?Dopamin ein, die eine wichtige Rolle bei Wachheit und Konzentration spielen. In niedriger Dosierung erhöhen sie die Konzentration und helfen Müdigkeit zu überwinden. In hoher Konzentration können sie Getriebenheitsgefühl und eingeschränkte Konzentration hervorrufen. Gefahr der Abhängigkeit.
Methylphenidat: Seit den 1950er-Jahren als Ritalin bekannt, seit Anfang der 70er-Jahre rezeptpflichtig. Anwendung heute: ADHS bei Kindern und Jugendlichen. Methylphenidat hat strukturelle Ähnlichkeit mit den Amphetaminen, wirkt aber schwächer. Es steigert lediglich Wachheit und Aufmerksamkeit.
Modafinil: Seit knapp 30 Jahren auf dem Markt. Anwendung heute: Narkolepsie, starke Tagesmüdigkeit und ADHS. Seine Wirkungsweise ist nicht genau bekannt. Es steigert bei Gesunden leicht Wachheit und Aufmerksamkeit und gleicht Defizite durch Schlafmangel aus.
Kaffee: Schmeckt gut und ist (noch) rezeptfrei erhältlich. Eine US-Studie ergab, dass 600 mg Koffein (5–6 Tassen Kaffee) die gleiche?Wirkung haben wie 20 mg D-Amphetamin und 400 mg Modafinil. Wer täglich drei Tassen Kaffee trinkt, trägt vermutlich auch dazu bei, bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben.

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