Genuss und Rausch auf indischen Miniaturmalereien im Museum Rietberg

Der Konsum von Tabak, Hasch, Opium und Alkohol war im alten Indien weit verbreitet. Genuss und Rausch sind die Themen einer Kabinettausstellung zu indischer Miniaturmalerei im Museum Rietberg.

Philipp Meier

Eine Kultur, die dem Auge ein solches Fest der Farben zu bereiten vermag, muss sich auch in anderen Dingen auf den Genuss verstehen. Tatsächlich war Indien, das in den vergangenen Jahrhunderten eine überaus reiche Miniaturmalerei pflegte, gegenüber den vielseitigen Möglichkeiten, das Empfinden bis zu einem rauschhaften Zustand zu steigern, nicht verschlossen. Anders als in der westlichen Kultur war der Konsum von Tabak, Hasch, Opium und Alkohol im islamischen und hinduistischen Indien weit verbreitet und gehörte zu den traditionellen Lebensgewohnheiten. Nicht nur an festlichen Gelagen der Herrscherhöfe, sondern auch im religiösen Kontext oder im ganz privaten Rahmen des Liebesgeplänkels frönte man der Einnahme von bewusstseinsverändernden Substanzen.

Rauchen beim Liebesakt

Man geht daher nicht falsch in der Annahme, dass all die kleinen Fläschchen, Becher, Schälchen und Pokale, wie sie auf indischen Miniaturmalereien immer wieder anzutreffen sind, vergorene Flüssigkeiten enthalten. Schön gestaltete Wasserpfeifen aus buntem Glas, Jade, Keramik, oder eingelegten Metallen fallen ebenfalls auf vielen Bildern ins Auge. Der verzückte Gesichtsausdruck manch eines Liebespaars, aber auch manch eines einsamen Asketen in den zahlreichen Bildern, die das Museum Rietberg zeigt, mag denn nicht nur auf Sinneslust oder göttliche Trance, sondern auch auf eingenommene Rauschmittel zurückzuführen sein.

Betel, Tabak und Wein werden als Genussmittel des alltäglichen Lebens auf unzähligen Miniaturen abgebildet, ohne dass sie der eigentliche Gegenstand des Bildes wären. Die Darstellung von Rauschzuständen durch Opium oder Cannabis war hingegen ein beliebtes eigenes Sujet mogulischer und rajputischer Miniaturen. Dem Thema Genuss und Rausch gilt denn eine kleine Kabinettausstellung in der Park-Villa Rieter, welche an zahlreichen Beispielen den Gebrauch unterschiedlichster Genussmittel und Drogen im alten Indien beschreibt.

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