Lorenz Böllinger ist Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Bremen. Zuvor arbeitete er als Rechtsanwalt und Professor für Sozialarbeit. Darüber hinaus ist er Diplom-Psychologe und Psychoanalytiker. Drogendelinquenz ist einer seiner Forschungsschwerpunkte.

Interview: Daniel Steinmaier

Sie sind Professor für Strafrecht und Kriminologie und setzen sich für ein Ende der Drogenprohibition ein. Stehen Sie damit als Strafrechtler alleine da?

Keineswegs, die Strafrechtler sind weiter als die Politik, wir haben 300 Strafrechtsprofessoren in Deutschland, grob geschätzt würden mindestens 100 für die Legalisierung im Sinne einer gesundheitsrechtlichen Regulierung eintreten – vielleicht mit unterschiedlichen Begründungen, aber im Wesentlichen mit der, dass das Strafrecht das falsche Mittel im Umgang mit dem Problem ist.

Weil die Juristen auch selbst die Auswirkungen der Prohibition spüren?

Die Strafrechtsprofessoren tendieren eher dazu, die Prohibition aus grundsätzlichen rechtstheoretischen Überlegungen abzulehnen. Zum Einen darf ein Verhalten nur bestraft werden, wenn es erwiesenermaßen fremdschädigend ist, Drogenkonsum ist aber logischerweise allenfalls selbstschädigend. Es gilt zum Anderen das verfassungsrechtliche Prinzip, dass der Staat seinen Bürgern nicht schaden darf, und man hat schon längst erkannt, dass die Prohibitionspolitik den Bürgern eher schadet als nützt, weil sie einen sinnvollen Umgang mit dem Problem Drogenabhängigkeit geradezu verhindert; weil sie Menschen, die eigentlich krank sind, straffällig macht; weil die Drogen, die durch den Schwarzmarkt gepresst werden, erst recht gesundheitsschädlich sind. Dazu kommt, dass durch die Prohibition ein Schwarzmarkt mit Eigengesetzlichkeiten entsteht. Die hohen Profite sind Anreiz für organisierte Kriminalität – bis hin zu dem, was wir in Mexiko und in Afghanistan beobachten.

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