erstellt am: 29.01.2008

Leverkusen

Razzia gegen Hanfzüchter

VON LUDMILLA HAUSER

Die abenteuerlich anmutende Anlage in der Schlebuscher Grow-Box.

Leverkusen (RP) Das Landeskriminalamt NRW überraschte gestern am frühen Morgen bundesweit Besitzer privater Cannabisplantagen. In Leverkusen spürten Ermittler eine illegale Zucht in Wiesdorf, eine weitere in Schlebusch auf.

Die hauseigene Cannabis-Ernte kann ein Leverkusener „Drogenbauer“ jetzt vergessen. Die Polizei beschlagnahmte gestern Morgen die gesamte Hanfplantage – immerhin 25 über 40 Zentimeter hohe Pflanzen, davon vier mit 1,20 Meter Höhe und in voller Blüte stehend, im Keller eines Wiesdorfer Wohnhauses. Es war kein Zufallsfund der Kölner Kriminalisten.

Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA) hatte gestern am frühen Morgen einen bundesweiten Großeinsatz gefahren, durchsuchte allein in Nordrhein-Westfalen mit 420 Beamten 63 Wohnungen und Geschäftsräume. Eben auch in Leverkusen. Denn nicht nur bei dem Drogenzüchter in Wiesdorf gedeihte es aufs Vortrefflichste im Keller. Auch in Schlebusch unterhielt bis gestern früh ein Hanfbauer eine so genannte „Grow-Box“, optisch vorstellbar wie eine Art mobiler Kleiderschrank. In dieser Miniplantage in der Wohnung zog der Schlebuscher 20 Setzlinge unter einer abenteuerlich aussehenden Beleuchtungs- und Bewässerungskonstruktion heran.

„Die Leverkusener Züchter sind bis auf einen bisher in Sachen Drogen nicht in Erscheinung getreten“, berichtete Wolfgang Baldes, Pressesprecher der auch für Leverkusen zuständigen Kölner Polizei. Festnahmen habe es vorerst weder in Schlebusch noch in Wiesdorf gegeben. Im angrenzenden Burscheid trafen die Ermittler ebenfalls ins Schwarze: Sie taten eine Indoor-Plantage mit 42 Hanf-Pflanzen auf.

Auf die Spur gekommen waren LKA und die federführende Staatsanwaltschaft Aachen den illegalen Plantagen über einen „Grow-Shop“ in Aachen. Deren Besitzer (42 und 43 Jahre alt) vertrieben über ihren Laden und übers Internet das passende Zubehör, um sich eine eigene professionelle Plantage daheim einzurichten. Weil der Hanfanbau im großen Stil im Eigenheim aber illegal ist, erteilte die Staatsanwaltschaft für die Ladenbetreiber und deren Kunden Durchsuchungsbeschlüsse. Auftakt zur Razzia gestern.

Haschisch-Plantagen in Solingen, Leverkusen und Burscheid

Die Kölner Polizei nutzte die Durchsuchungsaktion, um die Bürger für das Thema „Drogenzucht zu Hause“ zu sensibilisieren. Sie sollen etwa auf auffallende Gerüche aus der Nachbarwohnung achten, auf unerklärlichen Schimmelbefall neben einer solchen Wohnung oder den plötzlich auffallend hohen Strom- und Wasserverbrauch des Nachbarn, der zu unüblichen Zeiten Besuch bekommt. Die Privatplantage sei zudem für Züchter und Anwohner gefährlich, unter anderem wegen der eigenwilligen Elektro- und Wasser-Installationen Marke Eigenbau, die die Hanfzüchter für den Plantagenbetrieb brauchen. Wichtig: Im Verdachtsfall nie selbst eingreifen, sondern die Beamten informieren. Täter sicherten ihre Pflanzen mit drastischen Mitteln bis zu Selbstschussanlagen.

In Leverkusen, sagte Wolfgang Baldes, seien die Funde bei weitem nicht so dramatisch gewesen. „Anderswo im Land waren ganze Häuser zu Plantagen umgebaut.“

from: http://www.rp-online.de

 

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