Brügge – Der „exzessive“ Maisanbau für Biogas-Kraftwerke vor seiner Haustür und in anderen Regionen bereitet dem Brügger Rainer Berndt zunehmend Sorgen. Als eine „brutale Monokultur“ bezeichnet der 66-jährige Holzkünstler das, was auf vielen Feldern wächst. Seine Befürchtung: Die nachfolgenden Generationen würden die Folgen vor allem beim Lebensmittel Wasser mittelfristig deutlich zu spüren bekommen. „Die Belastung mit Nitrat durch die Ausbeutung und Düngung der Böden wird deutlich zunehmen“, befürchtet er. Der Gemeinschaftsbrunnen in seinem Umfeld wurde vor zehn Jahren wegen zu hoher Nitratbelastung dichtgemacht.

  Dennoch will Berndt, der seit 34 Jahren im Schmalsteder Weg wohnt, nicht anklagen, sondern „zum Nachdenken anregen“. Er suche den Dialog mit allen Beteiligten und auch Mitstreiter, die ihn dabei unterstützten. „Vielleicht gründe ich eine Interessengemeinschaft oder Bürgerinitiative, um politisch mit dem Anliegen Gehör zu finden.“ Aus seiner Sicht stimmen die Wirtschaftlichkeit (nur durch die Subvention) und das Wärmekonzept („Wo bleibt die Wärme im Sommer?“) nicht. Viele Böden eigneten sich aus seiner Sicht gar nicht für Maisanbau. „Aber die finanziell abhängigen Landwirte machen mit.“


Viele Böden hätten „gar keine Seele“ mehr; sprich, sie können den angebauten Pflanzen nicht mehr das geben, was die Menschen bräuchten. Folge: „Nicht umsonst gibt es Nahrungsmittelergänzungsmittel.“ Berndt befürchtet, dass sich die ganze Problematik durch Aufgabe vieler Milchbauern und kleinerer Höfe noch verstärken und man noch mehr „Agrarwüsten“ bekommen werde. Aus seiner Sicht würde sich Hanf deutlich besser für den Anbau und die Umwandlung in Energie eignen. „Hanf ist aber wegen der Droge in Verruf“, schränkt er gleich ein.

Von einer Monokultur sei man in Schleswig-Holstein noch meilenweit entfernt, machte Torsten Teegen, Vorsitzender des Bezirksbauernverbands, deutllich. Man sollte die Sorgen in der Bevölkerung aber ernst nehmen, auch in der Bauernschaft gebe es ein unterschiedliches Meinungsbild zu Biogas und Maisanbau. Teegen zum Vorwurf der Überdüngung: „Wir leben von unserem Boden, es wäre doch fatal, wenn wir uns die eigene Lebensgrundlage wegnehmen.“ Aus seiner Sicht wird es auch zukünftig keine Monokultur geben, weil neuere Anlagen mit einem Mix aus Pflanzen gefahren werden können.

Das bestätigten auch die Betreiber der Brügger Anlage, Gerd Stoltenberg und VBB-Geschäftsführer Frank Günther. Ihren Angaben zufolge liefen Erprobungsreihen mit Zuckerrüben, Sonnenblumen, Hirse und Grünroggen. Stoltenberg bestätigte aber, dass die Anbaufläche für Mais in den letzten Jahren von ursprünglich 100000 auf 140000 Hektar gestiegen sei. Seines Wissens gibt es in der Region keine Landwirte, die nur Mais anbauen. „Als Landwirt ist man verpflichtet, drei Früchte anzubauen, sonst braucht man eine Sondergenehmigung.“ Für Günther ist wichtig, dass es bei der Erzeugung regenerativer Energie eine vernünftige Durchmischung mit Sonne, Wind und Biomasse gebe. Und bei Letzterer müsse man darauf achten, dass die Wärme optimal ausgenutzt wird.

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