Sie kennen sicher das englische Wort „drugs“. Es heißt Drogen. Jetzt vor dem Start der Olympischen Sommerspiele in Peking steht das Wort aber auch für Doping. Im Englischen gibt es da keinen Unterschied. Aber nicht nur dort – auch in der Anti-Doping-Charta wird kein großer Unterschied zwischen beidem gemacht. Und das ist kurz vor dem Start der Spiele einem jungen tschechischen Bogenschützen zum Verhängnis geworden.

Der 19-Jährige Milan Andreas war vor einiger Zeit positiv auf Marihuana getestet worden. Das wurde kurz vor der endgültigen Nominierung für Peking bekannt, und das Tschechische Olympische Komitee strich den hoffnungsvollen Nachwuchsathleten in letzter Minute aus dem Aufgebot. Ob es nur ein Joint war, wie Andreas behauptet, oder vielleicht doch mehrere – wer weiß das schon. Doch er hätte wissen müssen, dass Marihuana auf der Liste der verbotenen Stoffe in der Olympischen Charta steht. Also ist doch alles richtig, könnte man da sagen.

Aber irgendwie schmeckt der Fall trotzdem nicht. Sportlich hat sich Milan Andreas damit ohnehin keinen Vorteil verschafft, anders als jene, die sich mit Anabolika voll pumpen und von denen mit Garantie auch der eine oder andere bei den Spielen unentdeckt bleiben wird. Der Chef des Tschechischen Antidopingkomitees Jaroslav Nekola sagt, dass Marihuana schließlich auch gesundheitliche Schäden anrichten kann. Hier werde ich jedoch hellhörig. Verdreckte Luft beispielsweise schadet doch dem Körper auch, oder? Bedeutet dies, dass der Marathon abgeblasen wird, wenn der Smog in Peking nicht vom Wind weggeblasen wurde? Wie ernst ist es da eigentlich beim Internationalen Olympischen Komitee mit der Sorgepflicht um die Gesundheit der Sportler bestellt?

Der Chef des Tschechischen Olympischen Komitees, Milan Jirásek, hat wiederum angemerkt: Sportler würden doch eine Vorbildfunktion haben, und da passten Drogen nicht hinein. Wenn ein 19-jähriger Jugendlicher eine Vorbildfunktion haben soll, dann müsste doch das IOC bei der Vergabe der Spiele aber ganz vorne marschieren. Zum Beispiel indem es grundsätzlich die Einhaltung der Menschenrechte im Veranstaltungsland fordert. Aber lieber bestraft die Sportgemeinschaft einen Marihuana-Raucher als ein Regime, dem Amnesty International seit Jahrzehnten systematische Menschenrechtsverletzungen vorwirft. Klar ist, dass dieses Problem nicht im kleinen Tschechien gelöst werden kann. Pech also für Milan Andreas, dass Menschenrechte und Moral weiterhin teilbar bleiben.

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