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In Ketama der Haschischkammer Europas, dessen Bauern sich keineswegs als Kriminelle sondern als ganz normale Landwirte zeigten.

Im Dunkeln kommen wir in Ketama an, fahren einmal die Hauptstrasse N2 durchs Dorf hoch und wieder runter wobei wir an der Kreuzung zur 509 eine Polizeisperre bemerken die wir bevor sie uns anhalten kann forsch ansteuern und nach einem Hotel fragen.
Die Beamten, wohl etwas verdutzt mit ihren von Schnautzbärten und Rayban Sonnenbrillen verdeckten Gesichtern geben uns Auskunft und bevor sie noch etwas sagen können machen wir uns dankend auf den von ihnen angezeigten Weg.

Also wieder die N2 richtung Tetouan hoch und nach einigen hundert Metern landen wir an einem Neubau.
Im Hotel riecht es noch nach Farbe und es hat den Charm einer Bahnhofsvorhalle.
Wie sich herausstellt sind wir auch hier die einzigen Gäste und können uns des Eindrucks nicht erwehren in einem “Abschreibungsobjekt” gelandet zu sein.
Wir können durchs ganze Hotel gehen und uns frei jedes Zimmer auswählen das wir wollen.
Obwohl das Hotel total leer ist wuseln bestimmt 10 Angestellte herum, was auch immer sie machen.
In der Lobby gibt es wie in jedem grösseren Hotel in Marocco ein separiertes Zimmer in dem die Einheimischen hocken und Bier und Wein trinken, dies ist in Marocco als muslimischen Land zwar nicht gerne gesehen wird aber so praktiziert.
Auf unsere Frage nach Essen schaut man uns verdutzt an und empfiehlt uns eine Restaurant in der Nähe.
Da wir keine Lust haben durchs mittlerweile nächtliche Ketama zu laufen fragen wir nach dem nächsten Supermarkt und kommen mit Brot, Thunfisch in Dosen, Corned Beef und jeder Menge frieschen Tomaten, Paprika und zwei Flaschen maroccanischen Weins, welcher mir zunehmend besser schmeckt, wieder zurück.
Als wir zum Essen auf unsere Zimmer gehen wollen wird uns gesagt wir könnten dies auch hier in der Lobby tun.
Gesagt getan und so hocken wir uns an einen Tisch an den uns sofort Teller und Besteck gebracht werden.
Der Fernseher zeigt uns mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke das Soaps auch in Marocco nichts unbekanntes sind.
So hocken wir da, uns werden noch kommentarlos zwei Weingläser und ein Korkenzieher auf den Tisch gelegt als der Portier unsere unter dem Tisch stehenden Weinflaschen bemerkt.
Schnell kommen wir mit der mittlerweile komplett in der Lobby versammelten Belegschaft ins Gespräch und erfahren so das das Hotel erst seit 3 Monaten eröffnet wäre aber durch seine hohen Preise von den europäischen Rucksacktouristen eher gemieden werde.
Wir reden hier von knapp 5 Euro pro Nase und Nacht, dafür aber leidlich saubere Zimmer, jedes mit Dusche und eigener und vor allen Dingen keiner französischen Stehtoilette, sowie kakerlakenfrei, zumindestens soweit wir das sehen konnten.
Ganz nebenbei werden wir dann noch gefragt ob wir nicht was Haschisch kaufen wollen, wir verneinen und man lässt uns in Ruhe.
Trotzdem liegt hier eindeutig der Geruch von eben diesem Angebotenem in der Luft.
Nach dem Essen gehen wir zu Bett da wir am nächsten Tag früh in die Berge wollen.

Zeitig werden wir am nächsten Morgen wach und auf dem Weg in die Lobby stellt sich uns ein grosser gutgekleideter Maroccaner in den Weg und stellt sich als der Geschäftsführer
des Hotels vor.
Ich mag ihn auf Anhieb nicht.
Nach einem kurzen Gespräch kommt er zur Sache und will mit uns in die Berge zu seinem Onkel der dort eine Cannabisfarm hat und uns das beste Zeug zum besten Preis besorgen kann.
Auch als wir ihm versichern das wir durchreisende Touristen sind und keinesfalls vorhätten hier irgendwelche Käufe zu tätigen reagiert er nur mit einem Grinsen und drückt mir einen braunen ca. Tennisballgrossen Klumpen in die Hand und meint ich solle das doch einfach mal probieren.
Es wäre ein Geschenk und würde uns auch zu nichts verpflichten.
Erst langsam wird mir klar dass er mir soeben einen ca. 150 gramm Klumpen Haschisch zugesteckt hat der sich in meiner warmen Hand zunehmend wie Knete anfühlt.
Verkaufswert in Deutschland ca. 1000,– Euro, ich grinse ihn zurück an und gebe ihm den Klumpen mit der Bemerkung zurück dass wir wirklich kein interesse haben.
Er läuft uns noch bis zum Auto nach und bequatscht uns und erst als ich ihm ein nun deutlich unfreundliches “emschi” entgegne zieht er sich deutlich beleidigt zurück.
Meine Begleitung die bereits seit den siebziger Jahren nach Marocco fährt und früher Gebrauchtwagen auf dem Landweg nach Kamerun überführt und verkauft hat grinst mich nur an und meint “hasse jut jemacht, isch mochte de fiese keel och net”.
Das war das erste Mal seit Beginn unserer Reise das uns ein Maroccaner aufdringlich oder unangenehm aufgefallen war.
Mein Begleiter erklärte mir dass das nicht immer so war und man früher an jeder Ecke angebettelt worden ist.
Aber seit der neue König an der Macht ist der in Paris studiert hat und eindeutig pro westlich eingestellt ist hat sich einiges geändert.
Den Maroccanern geht es deutlich besser, die allgemeine Schulpflicht greift, jedes Haus hat Elektrizität, niemand leidet mehr Hunger und es gibt sogar ein wenn auch bescheidenes Sozial- und Krankensystem, auch wenn das durchschnittliche Jahreseinkommen bei knapp 2400,– Euro für europäische Verhältnisse eher bescheiden klingt so kann es sich im afrikanischen Mittel doch sehen lassen.
Und ausserdem hat der König gesagt es schade dem Tourismus und dem Ansehen Maroccos wenn man Ausländer anbettelt, man glaubt gar nicht was gerade für eine moralische Macht der König hat.
Aber das nur am Rande und kurz hinter Katama auf der 509 nach Fes richtung Süden biegen wir rechts in die Berge ab.
Schon nach wenigen hundert Metern wird der Zedernwald immer dichter.
Schnell zeigt der Höhenmesser über 1000 Meter an.
Nach einiger Zeit werden die Zedernwälder lichter und wir fahren Kilometerweit durch frisch abgeerntete Cannabisfelder.
Die Jahrhunderte alten Zedern stehen nur noch sporadisch und vereinzelt.
Eindrucksvoll dieses einmal bei Google-Earth zu betrachten, wobei es hier auch wieder erstaunlich ist das man nicht wirklich heranzoomen kann, hier hat wohl jemand eine Sperre eingebaut.
Nach ca. drei Stunden Fahrt in der unser 4×4 mal wieder zeigen kann was er drauf hat landen wir auf einer Anhöhe, wobei unser Höhenmesser mittlerweile 1800 Meter anzeigt, und sehen im Tal vor uns einen kleinen Weiler liegen dessen Dächer alle grün vom abgeernteten Cannabis sind das dort zum trocknen ausliegt.
Wir machen uns also auf den Weg ins Tal wobei wir auf den Maultierpfaden nur noch im Schrittempo voran kommen.
Am Weilereingang werden wir bereits vom Ältesten grinsend erwartet.
Er scheint uns wegen unseres spanischen Kennzeichens wohl für Aufkäufer zu halten.
Auf unsere Frage hin erlaubt er uns zu Fotografieren, jedoch nur die Gegend aber keine Menschen, das ist in Marocco ohne weiteres üblich und hat keinesfalls mit der Angst vor etwaigen polizeilichen Verfolgungen zu tun.
Der Haschischanbau ist in Marocco eine bedeutender Wirtschaftszweig und gut eine Millionen Menschen leben davon.
Wir werden zum obligatorischen Tee eingeladen und er zeigt uns ganz stolz seine Ernte und wie sie aus den Marihuanepflanzen die Pollen ausschlagen und in kleinen Leinensäckchen zu Platten pressen.
Aus seinem weitestgehend zahnlosen Mund strahlt er uns an und hält uns einen der gut ein Pfund schweren Säckkchen hin mit der bemerkung, “gut Material, Ketama Gold”, als wir ihm klarmachen das wir nicht beabsichtigen irgendetwas in dieser Art zu kaufen geht er mit uns um die Ecke und zeigt auf einige Säcke in denen sich zu unserer verblüffung Walnüsse befinden.
Nach kurzem Rundumblick sehen wir jede Menge Walnussbäume und erkennen das dieser Bauer keine Monokultur betreibt.
Nach langem Palaver kaufen wir einen 15 kg Sack frische Walnüsse für umgerechnet 3 Euro und müssen dann noch zum Mittagessen bleiben.
Die ganze Zeit haben wir schon den Geruch von gegartem Lammfleisch und Holzkohle in der Nase.
Es gab T’dlla – Geschmortes Lamm mit aromatischen Kräutern , und das war sowas von lecker, unbeschreiblich.
Überhaupt diese Freundlichkeit und Gastfreundschaft, ich bin mir noch nie so sicher vorgekommen wie in Marokko, wenn ich da an Spaniens Mittelmeerküste denke, ohgottohgott.
Beim Essen versucht er noch mir meinen Pick-Up abzuschwatzen da er wohl doch von seiner Geländegängigkeit sehr beeindruckt ist.
500kg feinstes Ketama Gold (eine halbe Tonne!!) war sein letztes Gebot, was einem Einkaufswert von ca. 25.000,– Euro in Marocco entspricht, in Europa mindestens 300.000,– Euro bringen würde, aber wir lehnen trotzdem dankend ab.
Er lädt uns noch ein die Nacht zu bleiben aber wir lehnen wiederum dankend ab.
Zum Abschied müssen wir ihn noch mit unserem 4×4 bis auf den Bergkamm mitnehmen und wie er da so total stolz wie King Loui neben mir auf dem Beifahrersitz hockt kann ich mir dann ein Grinsen doch nicht verkneifen.
Am Bergkamm angekommen verabschiedet er sich herzlichst von uns und lädt uns noch ein jederzeit wieder zu kommen, vielleicht würden wir uns das mit meinem 4×4 ja doch noch mal überlegen und er kenne auch jemanden der uns sein Gold völlig Risikolos nach Spanien bringen würde.
Lachend machen wir uns auf den Weg und ich bin tief beeindruckt von dieser Herzlichkeit und Natürlichkeit.

Irgendwie hatte ich mir diese “Drogenbauern” doch ganz anders vorgestellt.
Völlig erschlagen kommen wir im Hotel an und werden schon wieder von dem nervigen “Hotelmanager” erwartet.
Als ich mein Gesicht verziehe tut er das Gleiche mit seinem Körper und wir sehen ihn erst wieder am nächsten Morgen bei der Abrechnung.
Wir machen uns später nochmal auf ins Dorf um in einem Strassengrill noch ein paar Lammköfte mit Tomatensalat zu essen.
Nach der obligatorischen Flasche Wein aus dem Supermarkt vor dem Fernseher in der Lobby und einer kurzen Besprechung der Route die uns am folgenden Tag nach Fes führen soll fallen wir total geschafft ins Bett.

Hier noch das Rezept vom mittäglichen Lamm, ob es genau so Zubereitet wurde weiss ich nicht, kommt dem aber am nächsten.

Dieses Gericht wird traditionell über Holzkohle sanft gegart, wobei mit einigen auf dem Topfdeckel aufgeschichteten Kohlestückchen auch von oben Hitze zugeführt wird. Weniger Experimentierfreudige können das Fleisch auch bei mässiger Hitze im Backofen schmoren.

# 1 Lammschulter oder Vorderviertel (Schulter und Rippenstück)
# 9 Esslöffel zerlassenes Smen (oder Butterschmalz)
# frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für die Gewürzmischung
# 1 Gemüsezwiebel, fein gehackt
# 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
# ½ Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel
# je ¼ Teelöffel gemahlener Ingwer und Zimt
# 1 Messerspitze Cayennepfeffer
# ¼ Teelöffel Safranpulver mit] Teelöffel Salz
# je 4-6 Esslöffel Olivenöl und Wasser

Das Fleisch mit der Hälfte des zerlassenen Smen (oder Butterschmalz) einreiben und mit reichlich schwarzem Pfeffer würzen.

Für die Gewürzmischung in einer kleinen Schale Zwiebel und Knoblauch mit den Gewürzen, Olivenöl und Wasser gut verrühren.

Die Hälfte dieser Mischung vorsichtig auf das gebutterte Lamm tupfen. Den Rest auf dem Boden eines ausreichend grossen Bräters verteilen und das gewürzte Lamm darin von allen Seiten bei grosser Hitze scharf anbraten.

Wasser zugiessen (etwa bis auf halbe Höhe des Fleischstücks) und zum Kochen bringen. Das restliche Smen (oder Butterschmalz) zufügen und zugedeckt bei mittlerer Hitze (190° C/Gas Stufe 5) im vorgeheizten Backofen 2 Stunden garen, bis sich das Lammfleisch leicht von den Knochen lösen lässt und das Wasser restlos verdampft ist. Das Lamm in dem verbliebenen Fett so lange braten, bis das Fleisch knusprig und goldbraun ist.

Zum Servieren das Fleisch in einem grossen Tajine oder auf einer grossen, runden Servierplatte anrichten und mit gefülltem marokkanischem Gemüse umlegen. Man isst dieses Gericht auf traditionelle marokkanische Art, indem man das würzige Lamm zuerst mit einem Stückchen Fladenbrot abreibt, das man dann in die Sauce taucht, um einen Vorgeschmack zu erhalten. Anschliessend löst man mit den Fingern geschickt mundgerechte Stücke aus dem Braten oder bedient sich dabei eines Stücks Brot, wenn das Fleisch zu heiss zum Anfassen ist.

Robert Carrier
Die Kultur der marokkanischen Küche

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