Autor: Hampton Sides, Jürgen Nakott
 „Cannabis ist eine medizinische Schatzkiste, deren Inhalt wir noch gar nicht richtig kennen“, sagt Raphael Mechoulam. Der 84-jährige Israeli ist Chemiker und während seiner langen Wissenschaftlerkarriere hat er die Zusammensetzung von Hanfpflanzen erforscht. Mechoulam isolierte eine Reihe von Substanzen und spritzte sie Rhesusaffen. Nur ein Extrakt löste eine erkennbare Wirkung aus.„Normalerweise sind Rhesusaffen ziemlich aggressiv“, sagt Mechoulam. Wenn er ihnen aber diese Verbindung injizierte, wurden die Affen erkennbar ruhiger. Wie sich herausstellte, war dieser Extrakt der wichtigste aktive Inhaltsstoff der Pflanze. Er verändert den Geist, er ist das Zeug, das einen high macht. Mechoulam ermittelte die exakte chemische Struktur dieser Verbindung, die man heute Tetrahydrocannabinol (THC) nennt. Er entdeckte auch die chemische Struktur einer weiteren Verbindung, Cannabidiol (CBD). Dieser Inhaltsstoff von Marihuana wirkt medizinisch, erzeugt aber keinen Rausch. Seither gilt Mechoulam als Vater der Cannabisforschung.Der Chemiker sagt aber auch: „Marihuana ist kein harmloser Stoff“. Vor allem nicht für junge Menschen. Er zitiert Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass der langfristige Gebrauch von Marihuana mit hohem THC-Gehalt die Entwicklung des Gehirns schädigen könne. Cannabis könne Panikattacken verursachen. Und bei Personen mit der genetischen Veranlagung eine Schizophrenie auslösen.

Marihuana in der Medizin

Nichtsdestotrotz, für schwer kranke Menschen ist Cannabis ein Segen. Angelika Lingelbach kauft seit einem Jahre ihren Stoff in der Apotheke. „Ich horche jeden Morgen in mich hinein, ob ich es heute gegen die Schmerzen brauche“, sagt Lingelbach. Die 50-jährige leidet an einer Spinalkanalverengung, die Schmerzen verursacht wie ein heftiger Bandscheibenvorfall.

Die lähmenden Schmerzen kommen immer wieder, an manchen Tagen hat Lingelbach ein Taubheitsgefühl in Armen und Beinen. „Je nachdem, wie ich mich fühle, rauche ich entweder einige Züge, oder ich esse ein paar selbstgebackene Haschkekse. Dann kommt die Wirkung später, hält aber länger an.“ Sie strahlt. „Mir geht es gut. Ich kann ohne Morphium endlich wieder klar denken, klar reden, habe wieder Appetit.“ Sie hat zugenommen, wiegt nach eigenen Angaben heute 60 Kilo. Nur eines bekrittelt sie: „Die aktuelle Sorte schmeckt nicht gut, ein bisschen wie Weihrauch.“

Droge oder Medizin – Müssen wir unsere Meinung über Cannabis ändern?

Quelle:nationalgeographic.de

 

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