Kaum bekannt und dennoch wahr: Die erste Jeans von Levi Strauss war nicht aus Leinen sondern aus Hanf. Und auch Gutenberg schrieb die erste Bibel auf Hanfpapier.

Alle Eckdaten der Hanfnutzung hier nennen zu wollen, würde sicherlich den Rahmen sprengen, doch um die Bedeutung der Pflanze zu verstehen, muss doch schon etwas weiter ausgeholt werden.

Die ersten Aufzeichnungen über Hanf reichennämlich weit vor unsere Zeitrechnung hinaus. Die erste schriftliche Erwähnug von Hanf als Arzneimittel wurde nämlich schon 2.300 Jahre vor Christi Geburt gefunden. Als Textilien treten Hanffasern dann allerdings erst im Jahr 500 auf, als die Merowingerkönige in Hanfkleidern beerdigt wurden. 300 Jahre später macht der Preussische König Karl der Grosse das, an dem sich unsere Staatsoberhäupter ein Beispiel nehmen könnten. Er verpflichtet die Bauern per Gesetz dazu, Hanf anzubauen. Natürlich nicht ohne an seinen eigenen Vorteil zu denken, denn die Steuern konnten die Bauern nun mit Hanfsamen begleichen.
Jetzt kommt ein großer Zeitsprung. Im Mittelalter erreicht die vor 1950 Jahren in China entwickelte Methode zur Herstellung von Hanfpapier Europa und 1455 druckt Guteberg seine Bibel darauf. Im Jahr 1900 zählt Hanf-Tinktur in den Apotheken zu den meistverordneten Arzneien.

Harry S. Robins “G. Washington & T. Jefferson inspizieren ein Hanffeld, ca. 1774”

Der wohl berühmteste Schneider benutzte für seine Hosen nicht etwa ein Baumwolltuch- nein, der aus Bayern zugereiste Levi Strauss nietete Mitte des 20sten Jahrhunderst seine erste Jeans aus einem Tuch aus hundert Prozent Hanf zusammen. Eine Hose aus Baumwolle hätte als Arbeitshose die kalifornischen Goldwäscher nicht lange erfreut, denn dieser sowie kein anderer Stoff wäre der ständigen Nässe und Strapazen gewachsen gewesen. Ganz im Gegensatz dazu die Hanftextilien . Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war Hanf, neben Flachs die verbreiteste Textilfaser der Welt. Wer bei Hanffaserprodukten jedoch nur an Seile und Wäscheleinen denkt, irrt. Hanffasern lassen sich trotz ihrer hohen Festigkeit zu weichen, glänzenden Garnen spinnen, die damals zu feinen hautfreundlichen Hemden, Unterwäsche, Tischdecken und Strümpfen verarbeitet wurden.
In einem Fachbuch von 1905 heisst es: ?Hanf bleicht weißer als Flachs oder Baumwolle und ergibt die feinsten Stoffe, von Spitzen und Feingewebe bis zu gutem Hemdenstoff. Und das weit billiger als alles andere?. In einem anderen zeitgenössischen Text heisst es zum Vergleich von Flachs und Hanf: ?Die feinste flächsene Leinwand wird niemals der aus solchem Hanf gemachten Leinwand gleichkommen. Und diese wird wenigstens dreimal so lange halten als jene.?

Leider began sich in dieser Zeit, also Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts schon die Baumwolle durchzusetzen, denn die Erfindung der Baumwoll-Maschine verdrängte alle anderen Fasern vom Feintextilmarkt. Erst Anfang der dreißiger Jahre waren die ersten modernen Hanfmaschinen einsatzbereit – zu spät. Zeitgleich wurde, ausgehend von den Vereinigten Staaten von Amerika das Hanfanbauverbot (Marijuana Tax act von 1937) in die gesamte westliche Welt getragen. Bis heute wird die eigentliche Textilpflanze Hanf deswegen nicht wieder flächendeckend und zur großen Industrieproduktion angebaut. In Osteuropa und Asien wo die Verbreitung billiger Baumwolle und noch billigerer Chemiefasern nicht flächendeckend stattfand, gibt es noch Reste einer Hanf-Textilindustrie (www.hanfhaus.de). Erst in den 90iger Jahren stieg das Interesse an Hanftextilien wieder und seit 1996 ist der Hanfanbau auch in Deutschland wieder gestattet. Vor allem der Gründung verschiedener Vereine, die sich für die Legalisierung von Hanf einsetzen und der Eröffnung verschiedener Hanfproduktionshäuser ist es zu Verdanken, dass die Nutzpflanze Hanf wieder im Gespräch ist.
Nichtsdestotrotz reichen die Verarbeitungskapazitäten in Deutschland noch nicht aus, um aus dem reinen Rohstoff feine Textilfasern herzustellen. Deshalb kommen fast alle Fasern und Garne für Hanftextilien noch immer aus Rumänien und China.

from: econautix

 

 

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