Amsterdam (RPO). In den Niederlanden wirft ein Rauchverbot besondere Fragen auf: Ab dem 1. Juli darf in den niederländischen Cafés, Kneipen und Restaurants kein Tabak mehr geraucht werden. Das betrifft auch die legalen Verkaufsstellen weicher Drogen. Das Verbot gilt nicht für reines Marihuana, wohl aber für Tabakbeimischungen wie Joints.

“Da steht doch die Welt auf dem Kopf”, sagt Jason den Enting, der in Amsterdam den Coffee Shop Dampkring betreibt: “In anderen Ländern wird auf Marihuana in der Zigarette geachtet.

Hier gucken sie nach der Zigarette im Marihuana.” Die Coffee-Shop-Besitzer, die in den vergangenen Jahren schon so manchen Sturm überstanden haben, versuchen nun, sich der neuen Gesetzeslage anzupassen.

Eine Alternative ist ein Verdampfer, mit dessen Hilfe der Drogenkonsument das Marihuana rauchfrei zu sich nehmen kann. Andere wollen den Tabak im Joint durch Kräuter wie etwa Huflattich zu ersetzen und auf diese Weise das Rauchverbot umgehen. Die meisten setzen aber darauf, mehr Hasch-Produkte wie Brownies und mehr reines Marihuana zu verkaufen.

Druck über Lizenzerteilung

Michael Veling, Besitzer des 4-20 Cafés und Vorstandsmitglied des Verbands der Cannabis-Händler, erwartet nur geringe Auswirkungen, wenn die Raucher ihr Verlangen nach Nikotin und Marihuana künftig trennen müssen. “Es ist lächerlich zu behaupten, dass die Coffee Shops in der zweiten Julihälfte pleite gehen werden. Unsinn.” Er hat seine Mitarbeiter angewiesen, Zigarettenraucher nach draußen zu schicken. Aber einige seiner Kollegen würden das Verbot sicher ignorieren und damit wohl auch eine Weile durchkommen, sagt Veling.

Wenn aber die Behörden die Durchsetzung des Rauchverbots zur Bedingung für eine Verlängerung der Lizenz machten, könne alles ganz schnell gehen. “So funktioniert das nun mal.” Der Sprecher der zuständigen Lebensmittelbehörde, Chris Krikken, sagt, man habe die Coffee Shops vorläufig nicht besonders im Visier. In den ersten Monaten werde seine Behörde allgemein Informationen sammeln, wie das Verbot umgesetzt werde. Abhängig von den Ergebnissen werde sie sich dann den Sektoren zuwenden, in denen es Probleme gebe.

Wer als Wirt seine Kunden weiter rauchen lässt, wird laut Krikken verwarnt und später erneut überprüft. Wer wiederholt bei Verstößen ertappt werde, müsse mit steigenden Bußgeldern rechnen.

Pragmatisch-tolerante Tradition

Der Besitz von Marihuana ist in den Niederlanden zwar verboten, wird aber bis zu einer Menge von fünf Gramm nicht verfolgt. Rund 750 Coffee Shops, die Hälfte von ihnen in Amsterdam, haben die Erlaubnis, bis zu 500 Gramm vorrätig zu halten. Diese tolerante Regelung wurzelt in der pragmatischen Anerkennung der Tatsache, dass die Leute weiche Drogen auch bei einem Verbot konsumieren würden. Und es sei einfach vernünftiger, dies in geordnete Bahnen zu lenken. Kritiker sind der Meinung, dass die Haltung dem Drogenmissbrauch Vorschub leistet.

Der Konsum von Cannabis liegt international im Mittelfeld, höher als in Deutschland, aber niedriger als etwa in Frankreich, England oder den Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Konzentration von THC, der chemisch wirksamem Substanz im Marihuana, im niederländischen Cannabis jedoch auf 16 Prozent zugenommen. Die US-Regierung äußerte sich jüngst schon besorgt darüber, dass sich der Anteil von THC im amerikanischen Marihuana seit 1983 auf 9,6 Prozent verdoppelt habe, und warnte vor psychischen Schäden.

Die konservative Regierung in den Niederlanden verfolgt derzeit die Politik, die Zahl der Coffee Shops langsam zu reduzieren, indem nach einer Schließung keine neue Lizenz erteilt wird. Zudem gehen die Behörden gegen die Produzenten vor, so dass die Coffee Shop-Betreiber Schwierigkeiten haben, sich ihr wichtigstes Produkt zu beschaffen.

“Die Regelungen sind dazu da, uns langsam aus dem Geschäft zu drängen, einen nach dem anderen, langsam aber sicher”, sagt Richard van Velthoven vom Coffee Shop The Greenhouse, der das neue Rauchverbot fürchtet. “Ich habe die Zigarettenmaschine rausgeschmissen, ich habe Huflattich auf die Tische gestellt, ich habe zusätzliche Vaporisatoren angeschafft, die Mitarbeiter passen auf – was kann ich noch mehr tun?”, fragt er.

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