Der extreme Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen nimmt Experten zufolge
nach wie vor zu. Es gebe einen Anstieg quer durch gesellschaftliche Schichten und geografische Regionen, sagte Tilmann Holzer aus der Geschäftsstelle der
Drogenbeauftragten der Bundesregierung am Donnerstag in Nürnberg.

Im Jahr 2007 hätten bundesweit rund 23.100 schwer alkoholisierte Jugendliche in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Der Missbrauch von Cannabis in den 90er Jahren sei mittlerweile vom Alkohol ersetzt worden, berichtete Holzer bei einer Fachtagung zum Thema “Jugendliche am Absaufen – Jugendhilfe am
Abtauchen?”. Experten aus Jugendhilfe, Suchthilfe, Gesundheitsförderung, Schule, Ordnungsrecht, Polizei und andere beraten noch bis Freitag über Situation und
Vorgehensweise zur Alkoholprävention. Mit rund 350 Teilnehmern aus ganz Deutschland erzielt die Fachtagung des Forums Kinder- und Jugendarbeit in diesem Jahr laut Tagungsleiter Bernd Kammerer vom städtischen Jugendamt einen Rekordbesuch.
Das sogenannte Komasaufen oder “binge drinking” sei ein Thema, sagte der Fachmann für Suchtprävention vom Nürnberger Jugendamt, Kurt Gref. Dabei verwies er
auf etwa 250 Krankenhauseinweisungen im Stadtgebiet allein im vergangenen Jahr. Umso wichtiger seien vorbeugende Projekte wie “Hart am Limit” (HaLT), bei dem Stadtmission, Behörden, Krankenhäuser, Eltern und Jugendliche zusammenarbeiten.
Die Nachhaltigkeit der Präventionsarbeit müsse staatlich gewährleistet sein, forderte Holzer. “Jeder Euro, der auf kommunaler Ebene investiert wird, zahlt sich aus – das ist wie eine Lebensversicherung!” Alkoholexzesse hätten oft schlimme Folgen: So steige die Gewaltbereitschaft der Beteiligten häufig rapide an und auch gesundheitliche Schäden seien festzustellen. “Das alles kostet letztendlich Milliarden.”
Das Nürnberger Forum der Kinder- und Jugendarbeit wird gemeinsam veranstaltet von Jugend- und Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg, des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt und des Bezirksjugendrings Mittelfranken. Partner sind die Georg-Simon-Ohm-Hochschule und die Evangelische Fachhochschule Nürnberg.

epd

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