Seit der vergangenen Woche sind die Hanffelder in Brandenburg wieder mit geschnittenen Pflanzen übersät. Um an die wertvollen Fasern zu kommen, muss der Hanf nach der Ernte auf den Feldern in Sonne und Wind “rösten”, wie es heißt. Doch allzuviel röstet nicht mehr in Brandenburg. Gab es 1999 noch fast 800 Hektar Anbaufläche, sind es jetzt noch 265 von rund einem Dutzend Anbauern. Die andere wertvolle Naturfaser, Flachs, ist ganz von den Feldern verschwunden.

Der früher gehegte Traum, in Brandenburg groß in das Geschäft mit den wertvollen Fasern einzusteigen, hat sich in Rauch aufgelöst. “Der hohe Aufwand bei der Verarbeitung der Fasern ist eine der Hürden für eine Renaissance von Flachs und Hanf”, so der brandenburgische Agrarminister Wolfgang Birthler (SPD) vor wenigen Tagen auf einer internationalen Konferenz beim Institut für Agrartechnik Bornim (ATB) in Potsdam. Doch nicht nur der schwierige Aufschluss der Pflanzen, der die Felder teilweise über Wochen blockiert, hat bisher eine Wiederbelebung des bis 1996 verbotenen Hanfanbaus verhindert. Auch die im vergangenen Jahr gestrichene EU-Förderung in Höhe von rund 680 Euro pro Hektar war für den noch in den Kinderschuhen steckenden Produktionszweig “ein schwerer Schlag”, so Birthler.

In der Branche selbst vermisst man indes auch öffentliche Unterstützung ganz anderer Art. “Wir machen hier nachhaltige Produkte, haben aber keinerlei öffentliche Aufträge dafür”, sagt der Geschäftsführer der Hanffabrik in Prenzlau (Uckermark) Rainer Nowotny. Das Unternehmen mit rund zehn Beschäftigten sichert die Abnahme des Hanfs auf 200 Hektar Vertragsanbauflächen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Produziert werden in Prenzlau Industriefasern, Baustoffe und Tierstreu. Gerade jetzt, wo die Produkte Schwierigkeiten hätten, sich am Markt zu etablieren, seien Aufträge von Ländern und Kommunen wichtig, so Nowotny.

Zu allem Überdruss wächst in Osteuropa – vor allem in Polen und Ungarn – Konkurrenz zu günstigeren Preisen heran. “Da können wir nur mithalten, wenn wir die ganze Wertschöpfungskette vom Acker bis zum fertigen Produkt im Land haben”, sagt der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade.

Neben der Textilindustrie – unter anderem setzt die Tuchfabrik in Spremberg (Spree-Neiße) Hanffasern ein – werden zunehmend Einsatzfelder in der Auto- und Flugzeugindustrie interessant. Der Einsatz von Hanf als Materialverstärkung mache Bauteile um bis zu 30 Prozent leichter, sagt Christian Fürll vom ATB.

Hoffnung setzt die Branche in die neue EU-Altautoverordnung, die den Herstellern die weit gehende Wiederverwertung der Fahrzeuge vorschreibt. Schon heute nutzt Audi für Radkästen, Türverkleidungen und andere Bauteile hanf- oder flachsfaserverstärkte Kunststoffe. Bei der Produktion von Hanf entsteht zudem kein Kohlendioxid. Vielmehr wandelt die Pflanze während des Wachstums Klimakillergase in Sauerstoff um.

Eine neue, am ATB entwickelte Technik könnte bald der Wertschöpfungskette ein wichtiges Glied hinzufügen. Das Institut hat eine Hammermühle entwickelt, die das Rösten überflüssig machen und die Kosten für die Gewinnung der Fasern halbieren könnte.

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