„Cannabis heißt die gesamte Hanfpflanze. Marihuana („Gras“) bezeichnet die getrockneten weiblichen Blütenstände, die oft mit Blättern und Stängeln vermischt sind. Bei Haschisch handelt es sich um gepresstes Harz der weiblichen Hanfpflanze („Shit“ oder „Dope“). Beide Zubereitungen werden in Zigarette oder Pfeife geraucht. Haschisch lässt sich auch in Getränken und Süßspeisen verwenden.


Marktinteressen führen zum Verbot

Bereits vor Jahrtausenden nutzten Hochkulturen in China, Indien, Afrika und Mitteleuropa Cannabis als zeremonielles Rauschmittel. Bis ins letzte Jahrhundert hinein schätzten Industrie und Medizin seine Vielfältigkeit als Nutz- und Heilpflanze: Ob als Textil- oder Papierrohstoff, als Medizin gegen Schlafstörungen, Schmerzen und Krämpfe.

Als zur Mitte des letzten Jahrhunderts die Pharmaindustrie immer mehr chemische Medikamente mit klar definierten Wirkstoffen entwickelte, wurden im Zuge eines internationalen Verbots alle cannabishaltigen Medikamente vom Markt genommen. „Denn es gab Schwierigkeiten damit, die Cannabiswirkstoffe und -inhaltssubstanzen zu isolieren und identifizieren“, erklärt die Neurologin Kirsten Müller-Vahl. Vor allem war es jedoch ein wirtschaftlicher Schachzug der USA: Als weltweit größter Baumwollproduzent wollten sie die Hanfpflanze als Konkurrenz verdrängen und setzten das weltweite Cannabisverbot in jahrzehntelanger diplomatischer Arbeit durch, ergänzt Raphael Gaßmann.

Noch wochenlang nachweisbar

Heute ist Cannabis vor allem als Droge bekannt. Wie für andere Drogen gilt übrigens ein Autofahrer unter Cannabiseinfluss als fahruntauglich. Auf die Spur kommen Fahnder dem illegalen Konsum durch einen Schweiß- oder Urintest. Raphael Gaßmann kritisiert hier allerdings, dass es z. B. für Alkohol einen juristisch verbindlichen Grenzwert gibt, für Cannabis jedoch nicht. Nachweisbar im Körper ist auch noch der Joint, den jemand vor 30 Tagen geraucht hat. Sein Nachweis gilt als Beleg dafür, dass der Betreffende charakterlich unzuverlässig ist und kann mit Führerscheinentzug geahndet werden. Der Suchtexperte nennt die Zahlen: „Das gefährdet die berufliche Existenz von mehr als 100 000 jungen Menschen jährlich.“

Strenges Verbot bringt wenig

Raphael Gaßmann wertet das deutsche Cannabisverbot für Konsumenten, die nur gelegentlich kiffen, als zu streng. Zwar ist er auf keinen Fall für eine Legalisierung nach dem Motto: „Der Joint aus dem Zigarettenautomat, wie es die Tabakindustrie bereits schon mal andachte.“ Doch die Konsumzahlen aus Spanien, den Niederlanden und Großbritannien, die den Cannabiskonsum eher tolerieren, zeigen, dass das strenge Verbot für die Prävention scheinbar wirkungslos ist. In Deutschland, so Raphael Gassmann, ist die Verbreitung von Cannabis höher als in den Niederlanden.

Quelle

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