Hamburg. Vor dem Hamburger Landgericht beginnt am morgigen Mittwoch ein Rekordprozess um den Schmuggel von fast 5,5 Tonnen Marihuana und 18 Kilogramm Haschischöl im Marktwert von knapp 28 Millionen Euro. Zwei mutmaßliche Mitglieder eines internationalen Rauschgifthändlerrings im Alter von 43 und 48 Jahren sind angeklagt, den Transport der in einem Schiffscontainer versteckten Drogenladung über den Hafen der Hansestadt nach Großbritannien mitorganisiert zu haben. Die im Dezember 2008 entdeckte gigantische Lieferung war nach Zollangaben der größte Marihuanafund in Hamburg seit 15 Jahren. 1994 hatten Beamte dort sogar einen 20-Tonnen-Transport sichergestellt.

Laut Anklage war die Drogenladung als Ananas-Lieferung aus Ghana an eine Darmstädter Modefirma deklariert worden, was die Ermittler sofort aufmerksam machte. Sie ließen den Container aber trotzdem mit reduzierter Drogenmenge und unter ständiger Beobachtung nach England weiterleiten, um in einer international koordinierten Aktion möglichst viele Hintermänner des großangelegten Schmuggels zu fassen.

Als der Container im März an seinem Zielort im mittelenglischen Bradfort entladen wurde, nahm die britische Polizei dort insgesamt sechs Verdächtige fest. Den in Hamburg angeklagten 48-Jährigen, der die für den Transport verantwortliche Spedition leitete, schnappten deutsche Fahnder zeitgleich in seinem Haus in Darmstadt. Seinem 43 Jahre alten Mitangeklagten gelang zunächst die Flucht, er wurde aber später in England gefasst und an die Behörden in Hamburg überstellt.

Ein dritter mutmaßlicher Beteiliger des Drogengeschäfts muss sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft demnächst in einem separaten Prozess verantworten. Der englische Hauptverantwortliche der Aktion wurde laut Hamburger Zoll in Großbritannien zwischenzeitlich bereits zu neun Jahren Haft verurteilt. Den beiden nun in der Hansestadt Angeklagten drohen im Fall eines Urteils bis zu 15 Jahre Gefängnis. (dpa)

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