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Ausgangsmaterial für die Seile war Hanf. In der knappen Nachkriegszeit verarbeitete Schönle Hanf, den Bauern in der Gegend anbauten und im Tauschhandel brachten. Später ließ er sich von Händlern Material in besserer Qualität liefern. “Der beste Hanf war der italienische aus Neapel und Bologna”, erinnert sich der rüstige 95-Jährige. In großen Zentnerballen wur-de das Rohmaterial angeliefert. Vor der Verarbeitung mussten die Fasern erst zu dünnen Fäden gesponnen werden.

Der Bedarf an Schönles Seilen war damals groß. Viele landwirtschaftliche Betriebe in der Gegend brauchten Zugstricke für ihre Wagen und um ihre Tiere anzubinden. Ein weiterer Erwerbszweig waren Glockenseile für Kirchen. “Wir waren damals in jedem Glockenstuhl in der Gegend”, sagt Schönle.

Mehr und mehr erlebte er im Lauf der Jahre die Technisierung. “Mit der Zeit habe ich mich von Handarbeit auf Maschinen umgestellt”, berichtet er. Zwar ging die Arbeit dadurch schneller vonstatten, aber die Technik war gleichzeitig sein ärgster Gegner: Durch die zunehmende Motorisierung sank die Nachfrage nach Hanfseilen stetig. “Irgendwann hatten die Bauern Bulldogs und brauchten keine Zugstricke mehr. Auch die Kirchenglocken hat man immer öfter elektrisch geläutet. Alle paar Jahre kam eine neue Technik, die uns etwas weggenommen hat.”

Um seine Waren besser an den Mann bringen zu können, fuhr Schönle, bepackt mit selbst gefertigten Seilen, Peitschen und Netzen, als Händler umher. “Ich bin im ganzen Oberamtsgebiet herumgereist”, sagt er. Hauptabnehmer blieben nach wie vor die Bauern in der Gegend. Den Niedergang seines Gewerbes konnte Schönle aber nicht aufhalten: Im Jahr 1979 musste er sein Seilergeschäft abmelden.

“Ein Kampf war es immer”

Als zweites berufliches Standbein hatte er einen Laden in der Rabenstraße, den seine Frau verwaltete. Hier verkauften die Schönles anfangs Kolonialwaren, später Haushaltswaren und schließlich Zooartikel. “Man hat alles Mögliche mit aufgenommen, alles, was gut lief”, sagt Otto Schönle. “Ein Kampf war es immer, aber es hat auch immer zum Leben gereicht. Man hat halt nicht auf die Arbeitszeit schauen dürfen.”

Seile werden heute gänzlich von Maschinen gewoben. Statt Hanf wird leichtes Nylon oder Perlon verwendet. Seile, wie man sie früher hatte, gibt es nicht mehr. Das weiß auch Otto Schön-le: “Der Beruf des Seilers, so wie wir ihn gemacht haben, ist ausgestorben.”

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