Die Konsumenten argumentieren gern damit, dass Cannabis nicht abhängig macht – und deshalb wesentlich weniger gefährlich als Alkohol ist. „Selbstverständlich kann Cannabis eine psychische Abhängigkeit erzeugen, etwa zwei bis fünf Prozent der Konsumenten werden süchtig“, widerspricht Suchtexperte Raphael Gaßmann. Allerdings gilt das vor allem für Konsumenten, die täglich kiffen und/oder bereits in jungen Jahren die Droge regelmäßig benutzen. Das Abhängigkeitspotenzial lässt sich mit dem des Alkohols vergleichen. Cannabisentzug stellt körperlich kein Problem dar – anders als der Entzug von Alkohol, der ohne ärztliche Unterstützung tödlich enden kann. „Cannabis absetzen, parallel psychologische Behandlung und Medikamente, um Psychosen zu verhindern, gehören zum Behandlungsstandard“, fasst Raphael Gaßmann zusammen.


Dosis ist ausschlaggebend

Eine in der Forschung umstrittene Folge von Cannabiskonsum ist das Amotivationssyndrom, die absolute Teilnahmslosigkeit. Doch auch hier kommt es wieder auf die Dosis des Rauschmittels an. Raphael Gaßmann berichtet aus der Praxis: „Wer in unsere Beratungsstellen kommt und erzählt, täglich zehn Joints zu rauchen, der ist natürlich nicht fähig, dem Unterricht zu folgen oder eine Ausbildung zu planen.“ Mit derartigen Schwierigkeiten hat dagegen der gelegentliche Konsument, der durchschnittlich einmal pro Monat kifft, nicht zu rechnen.

Für die Lunge schlimmer als Zigaretten

Bewiesen ist allerdings, dass regelmäßiger und häufiger Cannabiskonsum das Risiko, im Verlauf des Lebens an einer Psychose zu erkranken um 40 Prozent erhöht. Das ist das Ergebnis einer Meta-Analyse aus 35 Studien („Lancet“, 2007; 370)

Körperliche Folgeschäden durch Cannabis sind äußerst selten, lautet die landläufige Meinung. Neue Studien haben jedoch gezeigt, dass vor allem der Langzeitkonsum der Droge weniger harmlos ist, als gedacht. So kann er z. B. die Gedächtnisleistung mindern, die Reaktionszeit verkürzt sich und die Entscheidungsfähigkeit lässt nach („Neurology“, 2006; 66). Daneben steht jahrelanges Marihuana-Inhalieren im Verdacht, die Lunge zu schädigen – wesentlich mehr als „nur“ Zigarettenrauchen. Ursache dafür, so vermuten Forscher der Universität Bern, sind Cannabisfasern, die mit dem Rauch in die Lunge gelangen und dort zu Entzündungen führen – und vor allem das tiefe Inhalieren.

Quelle

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