HHanfseilanf (Cannabis) begleitet den Menschen bereits einen langen Zeitraum der Geschichte. Er kann helfen, wie schaden, kann zu politischen Wirren führen, spaltet die Geister, kann aber auch Profit abwerfen. Diese Punkte, wie zudem diverse Möglichkeiten der Weiterverarbeitung von Hanf sollen in diesem Artikel behandelt werden.

Hanf in der Geschichte

Hanf ist eine der ältesten, uns bekannten Kulturpflanzen weltweit. Wir Menschen nutzen diese Pflanze auf vielseitige Weise nun schon seit etwa 10.000 Jahren. Vermutlich stammt sie ursprünglich aus Zentralasien (Kasachstan), was jedoch nicht gesichert ist, denn aufgrund ihres großen Nutzens und ihrer Unempfindlichkeit den Standort und die Pflege betreffend, konnte Sie sich in den letzten mehr als 3000 Jahren (denn über diesen langen Zeitraum hinweg kultiviert sie der Mensch bereits) rasch über den ganzen Erdballen verbreiten.

Etwa 12.000 v. u. Z.
Archäologische Funde von Tonscherben mit zierenden Streifen aus Hanfschnüren in Taiwan lassen darauf schließen, dass die Menschheit bereits Tausende Jahre davor mit der Nutzung von Hanf begonnen hatten. Denn aus den robusten, reißfesten Fasern der Pflanze Schnüre herstellen zu können ist eine Kunst, deren Entwicklung vermutlich dieses langen Zeitraumes bedurft hatte.
Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass diese Pflanze, zumindest im indochinesischen Raum, bereits in der Steinzeit Verwendung fand.

Etwa 5.500 v. u. Z.
Der älteste Fund, der auf eine Hanfnutzung in Mitteleuropa hinweist, besteht aus Hanfsamen in Eisenberg im deutschen Thüringen.

Frühgeschichte
Hanf ist auch in den Inschriften der Pyramiden aus der Zeit um etwa 3000 v. u. Z. zu finden. Die Ägypter nutzten alle Teile der Hanfpflanze in allen Lebenslagen.
In China wurde der Nutzhanf (Cannabis sativa L.), die Chinesen nannten ihn „Ma“, vielfach eingesetzt. Dort nutzte man nicht nur seine nahrhaften Samen für den Verzehr und seine Stängel mit den langen, reißfesten Fasern für Seile, Fischernetze, Textilien und etwas später auch für die Papierherstellung, sondern man schätzte ihn zudem aufgrund seiner medizinischen Wirkung. So steht in einem

chinesischen Buch über Ackerbau und Heilpflanzen (Shennong ben cao jing) geschrieben, dass Hanf zur Behandlung von Malaria, Rheuma, Gicht, Verstopfung und diversen anderen Leiden zu empfehlen sei.

Li Shizhen

Li Shizhen

Der chinesische Arzt, Botaniker, Pharmazeut und Gelehrte Li Shizhen (1518 – 1593) beschrieb in seinem „Bencao Gangmu“, einem umfassenden medizinisch-pharmazeutischen Nachschlagewerk

bereits über 120 unterschiedliche Arten der medizinischen Verwendbarkeit von Hanf.
Im heutigen Litauen gefundene Hanfsamen und ein Faden aus Hanf lassen sich in etwa auf ungefähr eine Zeit um 2500 v. u. Z. bzw. um 2300 v. u. Z. datieren.
Als die Hanfpflanze nach Indien gelangte, erlangte sie rasch an Popularität und wurde als eine der fünf heiligen Drogen hilfreich bei der Meditation eingesetzt. In einer der heiligen Textsammlungen

des Hinduismus, der Atharvaveda, steht von rituellen Handlungen vereint mit Cannabis zum Schutz vor dem „Bösen“ geschrieben.

Antike
Glaubt man der Legende, so soll sich der junge Buddha 800 v. u. Z. während seiner sechs Jahre andauernden Askese auf seinem Erleuchtungspfad täglich ausschließlich von Hanfsamen ernährt haben.
In einem chinesischen Grab der Gushi-Kultur aus der Zeit um etwa 700 v. u. Z. wurde als Teil der Grabbeigabe ein Behälter voll weiblicher Cannabisblüten gefunden, deren THC-Wert ausgesprochen hoch war. Deren hoch psychoaktive Wirkung wurde vermutlich in medizinischen, religiösen oder schamanischen Handlungen genutzt.
500 Jahre v. u. Z. geben die Kelten und die Germanen ihren Verstorbenen Hanfsamen mit auf ihren Weg ins Jenseits.
In Hochdorf nahe Stuttgart wurden im Grab eines keltischen Fürsten, der im 5. Jahrhundert v. u. Z. verstarb, Textilien aus Hanf gefunden.
Zu dieser Zeit dienen Hanfstängel in China aus Währung zum Bezahlen ihrer steuerlichen Abgaben.
Die Ägypter und die alten Griechen tragen robuste Kleidung aus der Faser des Hanfes, was gar 450 v. u. Z. vom griechischen Geschichtsschreiber, Völkerkundler und Geografen Herodot von Halikarnassos (490/480 v. u. Z. – etwa 424 v. u. Z.) dokumentiert wurde.
Etwa um 100 v. u. Z. wird in China das erste Papier aus Hanf hergestellt.
Der römische Gelehrte, Offizier und Verwaltungsbeamte Plinius der Ältere (23./24. n. u. Z. – 79 n. u. Z.) berichtete von Hanf als Mittel zur Schmerzlinderung.
Pedanios Dioscurides, griechischer Arzt und bekanntester Pharmakologe des Altertums, schrieb in seinem großen Arzneiwerk „Materia Medica“ mitunter auch vom Saft des Hanfsamens als wirksam bei der Bekämpfung von Ohrenschmerzen.
Der griechische Arzt und Anatom Galen (Galenos von Pergamon – 129/131 n. u. Z. – 199/201/215 n. u. Z.) erwähnte Hanf als Genussmittel in Form kleiner Kuchen zum Nachtisch.
Um 400 n. u. Z. war der Hanf als Rohstoff für Nahrung, Textilien, medizinische Produkte und selbst für Waffen allgegenwärtig und sehr populär.

Mittelalter
Im Jahr 812 n. u. Z. erwähnte Kaiser Karl der Große (727/748 n. u. Z. – 814 n. u. Z.) in Kapitel LXII seiner Landgüterverordnung, der sogenannten Capitulare de villis vel curtis imperii den Hanf (canava).
Die Benediktinerin und Universalgelehrte in Ethik, Kosmologie, Medizin, Musik und Religion, Hildegard von Bingen (1098 n. u. Z. – 1179 n. u. Z.), berichtete lobend von der Heilkraft der Hanfsamen. Sie zu essen lindere Beschwerden im Magen, ein mit ihnen gefertigter Umschlag helfe bei der Behandlung von Wunden und Geschwüren.
Die Sehnen der mittelalterlichen Langbögen machte  die widerstandsfähige Faser des Hanfes zu äußerst robusten Waffen mit ausgesprochen starker Zugkraft.
Im 13. Jahrhundert wurden Lumpen aus Hanffasern gesammelt, um aus ihnen Papier herzustellen.
1455 n. u. Z. ließ Johannes Gutenberg (etwa 1400 – 1468 n. u. Z.), der Erfinder des modernen Buchdrucks und der Druckerpresse, seine erste Bibel (die berühmte Gutenbergbibel) auf Hanfpapier drucken.
Als der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus (etwa 1451 – 1506 n. u. Z.) im Jahre 1492 den amerikanischen Kontinent entdeckte, waren sowohl die Kleidung der Seefahrer als auch die Taue und Segel seiner Schiffe und selbst die Schiffskarte aus Hanf gemacht. Für die Seefahrt waren Taue und Segel aus Hanf besonders kostbar, da sich diese Fasern als sehr widerstandsfähig gegenüber Salzwasser zeigten und da sie, aufgrund der Tatsache, dass sie nur wenig Wasser ansaugen, zudem die Masten vor übermäßigem Gewicht schonten. Zu den ersten Geschenken, die Kolumbus den amerikanischen Ureinwohnern schenkte, gehörten Kleidungsstücke aus Hanf und Hanfsamen.
Selbst die ersten Entwürfe der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und die 1776 unterzeichnete amerikanische Unabhängigkeitserklärung waren auf Papier aus Hanf gedruckt.
George Washington (1732 – 1799 n. u. Z.), von 1789 – 1797 der erste Präsident der der Vereinigten Staaten von Amerika, baute auf seinen privaten Plantagen Hanf an.

Die Verdrängung und das Verbot von Hanf

Cannabis ProhipationDie Verdrängung der Hanfnutzung nahm mit dem Aufkommen des Anbaus des rentableren Tabaks und mit dem Beginn des Zeitalters der Industrialisierung seinen Anfang.
Zu dieser Zeit musste Hanf noch von Hand geerntet und verarbeitet werden, was arbeitsintensiv und aufwendig war und Hanf somit zu einem recht teuren Rohstoff machte.
Ein weitaus günstigerer Rohstoff war beispielsweise die Baumwolle. Ihre Verarbeitung wurde mit der 1793 erfundenen Cotton Gin (Egreniermaschine) derart erleichtert, dass diese Tatsache den Textilmarkt regelrecht revolutionierte.
Auch im Bereich der Papierherstellung wurde ein weitaus günstigerer, gut geeigneter Rohstoff entdeckt: das Holz.

Um 1925 wird in den USA eine Lobby, geführt von Harry Jacob Anslinger (1892 – 1975 n. u. Z.), gegen den Anbau und jegliche Nutzung von Hanf aktiv. 1931 wurde er von dem Bankier und Politiker (1921 – 1932 Finanzminister der USA) und dem Onkel seiner zukünftigen Ehefrau, Andrew W. Mellon (1855 – 1937) zum Vorsitzenden des Federal Bureau of Narcotics (FBN – eine Behörde innerhalb des US-Finianzministeriums) ernannt. Dieses Amt behielt Anslinger für ganze 31 Jahre, so setzte er in den 1960er Jahren in der Drogenkommission der Unites States letztlich ein weltweites Anbauverbot für Hanf durch.
Walter Brombergs Ergebnisse aus klinischen Studien zum Thema Hanf und Kriminalität stellten 1934 alle Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Marihuana und dem vermehrten Auftreten krimineller Handlungen infrage. Seine Bemühungen und Forschungen in diesem Bereich wurden von Harry J. Anslinger und dem FBN vollkommen ignoriert.
Als schließlich im Jahre 1938 in den Vereinigten Staaten von Amerika die erste vollautomatische Hanfschälmaschine präsentiert wurde, kämpften führende Industrielle (unter anderem aus der Pharma-, Papier- und Baumwollindustrie) für das Einführen einer Hanfsteuer und erreichten letztlich sogar ein völliges Hanfanbauverbot in den USA. Die deutlich einfachere Ernte des Hanfes durch die neue Schälmaschine hätte ihren Unternehmen zu große Konkurrenz gemacht.
Auch dem Chemiekonzern E. I. du Pont de Nemours and Company (kurz Du Pont) kam das Hanfverbot zugute, denn so konnten deren Plastik- (aus Öl und Kohle) und Papierherstellung (aus Holzzellmasse) ungehindert den Markt erobern.
Dass Andrew W. Mellon mit seiner Mellon Bank of Pittsburgh, der wichtigste Finanzier der Holzfabrik Hearst Paper Manufacturing Division oder des Unternehmens Du Pont war, schließt den Kreis.
Für ihn und viele Industrielle wäre Hanf durch die vereinfachte Ernte zu einer zu großen Konkurrenz geworden. Hanf musste also unter allen Umständen vom Markt verschwinden. Wie hätte das konsequenter geschehen können, als durch ein generelles Anbauverbot?
Der Genuss von Hanf wurde verteufelt, aufgebauscht und u. a. mithilfe von Filmen in den Vordergrund gestellt, über seinen vielfachen Nutzen geschwiegen, medizinische Studien, die dem gewünschten negativen Bild widersprachen, ignoriert oder negiert.
Die Fortschritte bei der Produktion synthetischer Medikamente waren ein weiterer Grund, weshalb der Hanf in der Medizin von seinem Thron verdrängt wurde.

Als dann aber im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) die Rohstoffmärkte bedroht wurden und die Armee robuster, strapazierfähiger Rüstung bedurfte, wurde das Hanfanbauverbot rasch wieder aufgehoben. Der Propagandafilm „Hemp for Victory“ (Hanf für den Sieg) in den USA und „Die lustige Hanffibel“ in Deutschland, sollte die Bauern zum Anbau von Hanf motivieren, um der entsprechenden Partei dabei zu helfen, den Krieg zu gewinnen. In diesen Zeiten der Not konnte der wahre Wert des Hanfes nicht mehr verleugnet werden. Der schnell wachsende Hanf als einfach zu verarbeitender Rohstoff ermöglichte die Herstellung von Produkten mit ausgezeichneter, belastbarer Qualität.

Wie zu erwarten, wurde das im Krieg aufpolierte, positive Image des Hanfes nach dem Krieg fallen gelassen.  All die amgeblich so negativen Seiten des Hanfes wurden wieder hervorgekehrt und das Hanfverbot auf raschestem Wege erneut eingeführt.

In den anfänglichen 1990er Jahren erlebten der Hanfanbau und die Verwendung von Hanf als wertvoller Rohstoff seine Wiedergeburt und nehmen seither kontinuierlich zu, v. a. , seit 1996. Denn von diesem Zeitpunkt an ist auch in Deutschland unter strengen staatlichen Kontrollen der Anbau THC-armer Hanfsorten erlaubt. THC (Tetrahydrocannabinol) ist die psychoaktive, rauschwirkende Substanz der Hanfpflanze, deren Anteil groß sein muss, um für halluzinogene Drogen wie Haschisch oder Marihuana zum Einsatz zu kommen.
Durch die Zucht THC-armer Hanfpflanzen (Nutzhanf), kann die umstrittene Nutzung von Hanf als potenzielle Droge vermieden werde, zeitgleich können aber trotzdfem all seine positiven Eigenschaften (auch der wertvolle Wirkstoff THC) genutzt werden. So kann Hanf in Form von Hanfsamen in der Kosmetik Verwendung finden, aber auch als Superfood mit wertvollen Inhaltsstoffen oder als hochwertiges Futtermittel für Tiere. Zudem sind seine Fasern als Dämmstoff beim Hausbau geeignet. Textilien aus Hanffasern sind jenen aus Baumwollfasern in vielem überlegen. Hanf kann zur Herstellung spezieller Papiere verwendet werden, aber sie ist auch Fundament für Waschmittel, Farben und Lacke.
Hanf wächst rasch, Hanf benötigt keine Pestizide, wo Hanf gewachsen ist, bleibt kein Unkraut stehen. Die Hanffaser ist ausgesprochen robust, elastisch, reißfest und widerstandsfähig. Verglichen mit Flachsfasern sind Hanffasern vollkommen unempfindlich gegenüber Basen und nur starke Säuren sind dazu imstande, diese zu beschädigen. Diese Tatsache macht Produkte aus Hanffaser ausgezeichnet haltbar und zudem wunderbar recycelbar.
In der Schiffahrt wird die Hanffaser für Netze, Seile, Taue und Segeltücher, aber auch aufgrund ihrer Wasseraufnahmefähigkeit geschätzt. Sie vermag circa 8 % ihres Eigengewichtes an Wasser aufzusaugen, ohne dabei aber Wasser abzulassen oder sich nass anzufühlen.

Hanfrohstoffe

Die Rohstoffe, aus denen all die wertvollen Produkte aus THC-armem Hanf hergestellt werden können, lassen sich im Groben in zwei Kategorien unterteilen:
1. Der Rohstoff Hanfsamen (und in weiterer Konsequenz auch aus Hanföl) und
2. Der Rohstoff Hanffaser

1. Die Gewinnung von Hanfsamen
Bereits 100 – 150 Tage nach der Aussaat werden die Hanfpflanzen geerntet. Die Samen, die aus den trockenen Blütenständen herausfallen, werden schließlich eingesammelt.

2. Die Gewinnung der Hanffaser
Die Gewinnung der Hanffasern gestaltet sich weitaus komplizierter als die Gewinnung der Hanfsamen, da die Fasern im Gegensatz zu den Samen nicht so verwendet werden können, wie sie in ihrer natürlichen Form auftreten.

Die Hanffasern befinden sich im Stängel der Hanfpflanze und verlaufen in Bündeln parallel zu ihm. Der Faseranteil bei Nutzhanfsorten beträgt in etwa 30 – 40 %. Geerntet wird in der Regel zur Blütezeit der männlichen Hanfpflanze.

Die Vegetationszeit der weiblichen Hanfpflanze ist länger als jene der männlichen, weshalb die weiblichen Faserzellen dicker und fester aufgebaut sind. Aus diesem Grund eignen sich die Fasern der weiblichen Pflanzen besser zur Herstellung von Seilen und Tauen und anderen groben Stoffen. Mit den Fasern der männlichen Pflanze empfiehlt es sich, feinere Stoffe zu erzeugen.

Nach der Ernte werden die Fasern durch Brechen und Walzen der Stängel vom Rest der Pflanze getrennt. Diesen Prozess bezeichnet man als „Faseraufschluss“. Hierbei wird das Hanfstroh in Fasern und Schäben getrennt. Schäben sind die anfallenden gebrochenen und holzähnlichen Teilchen, die bei der Hanffaserproduktion vom holzigen Röhrenkern anfallen, der von den Fasern umgeben ist. Schäben können als Baumaterial oder Tierstreu verwendet werden.
Entsprechend der Länge der produzierten Faser unterscheidet man zwischen dem Langfaseraufschluss und der Kurzfaser- und Gesamtfaserlinie.

Der Langfaseraufschluss ist die traditionelle und weitaus aufwendigere Methode der Hanffasergewinnung, in der das zuvor getrocknete Hanfstroh in eine Wasserröste kommt, wo die Pektine („Pflanzenleim“) zum Auflösen gebracht werden. Danach werden die einzelnen Bestandteile durch Brechen, Schwingen und Hecheln voneinander getrennt.

Die Kurzfaser oder Gesamtfaserlinie ist die modernere und einfachere Methode des Faseraufschlusses. Hierfür wird das Hanfstroh bereits auf dem Feld gekürzt, geröstet und zu Ballen gepresst. Die Ballen werden in einer Faseraufschlussanlage geöffnet und mit unterschiedlich großen Zahnwalzen gebrochen. So können die Fasern vom holzigen Kern separiert werden. In mehreren Arbeitsgängen werden die Schäben aussortiert und die Fasern dann in mehreren weiteren Schritten in Fasernbündel und schließlich in Einzelfasern aufgeteilt.
Die negative Seite dieser vereinfachten Fasergewinnung sind Faserverluste durch Faserschädigungen, bedingt durch die intensive mechanische Beanspruchung.

Hanf als Genuss-/Rauschmittel

Cannabismissbrauch

Cannabismissbrauch

Die berauschende Substanz der Hanfpflanze, die psychoaktive Wirkung zeigt, nennt sich Tetrahydrocannabinol (THC) und unterliegt in Deutschland den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), welches im Allgemeinen den Umgang mit Betäubungsmitteln regeln soll.

Im Groben unterscheidet man zwei Arten von Rauschmittel auf Hanfbasis. Das ist zum einen Haschisch, zum anderen Marihuana.

Haschisch
Haschisch ist das zu Blöcken oder Platten gepresste Harz aus der Blüte der weiblichen Hanfpflanze, da diese sehr viele Harzdrüsen besitzt.
Die psychogene Wirkung von Haschisch ist schwach psychogen und wird als „sanft“ berauschend bezeichnet. Besonders auffällig ist seine entspannende Wirkung.

Marihuana
Marihuana sind die zerkleinerten und getrockneten Blütenstände und blütennahen Blätter der Hanfpflanze. Da die Blüten und die Blätter selbst kein THC enthalten, und nur das Harz enthalten, mit denen die Blüten noch überzogen sind, wirkt es weniger stark berauschend als Haschisch.

 

 

Hanf als Arznei-/Heilmittel

Hanf als Medizin

Hanf als Medizin

Die ältesten dokumentierten Hinweise auf eine medizinische Verwendung von Hanf sind im bekannten Shennong ben cao jing niedergeschrieben, einem Buch über Ackerbau und Heilpflanzen, dessen Entstehungszeitpunkt nicht ganz gesichert ist. Die darin zu findenden Empfehlungen des Kaisers Shen Nung, das Harz der Hanfpflanze zur Behandlung von Beriberi, Gicht, Malaria, Rheuma, aber auch bei Frauenkrankheiten und Verstopfungen einzusetzen, sollen aber bereits um etwa 2737  v. u. Z. ausgesprochen worden sein.

Der Papyrus Ebers gilt als größte medizinische Abhandlung aus dem Alten Ägypten und datiert auf ungefähr 3300 v. u. Z. In der Schirftrolle wird Hanf als Heilmittel für Zehennägel erwähnt.

Die Universalgelehrte und Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) und der irischen Chemiker und Schulmediziner William Brooke O´Shaughnessy (1809 – 1889) waren Pioniere bzgl. der Verwendung von Hanf in der Heilkunde.

Im 19. Jahrhundert waren diverse Arzneimittel und v. a. ethanolische Extrakte aus Hanfkraut durchaus auch in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika gängig und populär.

Diese wurden allerdings in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von synthetischen Medikamenten verdrängt und deren Erzeugung bzw. Einnahme unter Berufung auf die zahlreichen negativen Eigenschaften und Auswirkungen des Hanfes auf den Menschen durch rechtliche Einschränkungen unterbunden.

Als die Experten des La Guardia Committees jedoch für sämtliche negativen Effekte medizinischer, psychologischer und soziologischer Natur keinerlei Bestätigung finden konnten, trat erneut Harry J. Anslinger vom FBN in Aktion, indem er androhte, jegliche Forschung Bezug nehmend auf Hanf, hart zu bestrafen.

Der vielfach ausgezeichnete Hochschullehrer für Pharmazeutische Chemie und Naturstoffe an der Hebräischen Universität Jerusalem, Raphael Mechoulam (geb. 1930), gilt als Vater der Cannabinoid-Forschung, indem ihm erstmals die Synthese von Tetrahydrocannabinol, Cannabidiol und Cannabigerol gelang.

Zwar ist Medizinalhanf auch heute noch grundsätzlich verboten, es gibt allerdings inzwischen bereits Ausnahmefälle (beispielsweise für Epileptiker), die eine Verwendung hanfhaltiger Arzneien erlauben.

delta 9 Tetrahydrocannabinol

delta 9 Tetrahydrocannabinol

Fortschritte in der Forschung lassen weiter hoffen, dass viele Medikamente in der Zukunft durch Auszüge der Hanfpflanze ersetzt werden können.

THC und seine bekannten Wirkmechanismen mit therapeutischem Potenzial
Analgesie
THC kann aufgrund seiner analgetischen Wirkung in der Schmerztherapie eingesetzt werden, um Schmerzen auszuschalten. Mit seiner Hilfe können neuropathische und entzündungsbedingte Schmerzen gelindert werden. Gerne kommt Hanf in der Palliativmedizin zum Einsatz.

Antispasmodikum / Spasmolytikum
THC kann dabei helfen, Spannungen oder gar Verkrampfungen der glatten Muskulatur zu lösen. Da auch die Bronchialmuskulatur zum Typus der glatten Muskulatur zuzuordnen ist, wirkt Hanf erweiternd auf die Bronchien und hilft dadurch dabei, Asthmaanfälle im Keim zu ersticken.
Dieser spasmolytische Effekt kann auch dabei helfen, die Bewegungsfähigkeit an Multipler Sklerose Erkrankter zu verbessern (die Behandlung hierbei ist rein symptomatisch!) und die Häufigkeit der auftretenden Tics beim Tourettesyndrom zu reduzieren.
Auch kann THC, prophylaktisch eingenommen, dabei behilflich sein, das Auftreten epileptischer Anfälle zu verhindern.

Neuroprotektion
THC hat die Fertigkeit, Nervenzellen und Nervenfasern zu heilen und vor dem Absterben zu bewahren, indem es spezielle Rezeptoren stimuliere, welche degenerative neuronale Vorgänge zum Stoppen brächten.
Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Klinikanstalt Irccs Fondazione Sante Lucia in Italien.
Für die Behandlung von Multipler Sklerose, Schädeltraumata oder Rückenmarksverletzungen ergeben sich dadurch neue Forschungsansätze für mögliche Therapien.

Gehemmte gastrointestinale Motilität
Beschwerden wie chronischer Durchfall, chronische Verstopfung, schmerzende Krämpfe oder Entzündungen des Magen-Darm-Traktes können durch THC gelindert werden.
Menschen, die unter dem Reizdarmsyndrom (mit Schmerzen im Bauchraum, Blähungen, Durchfall, Verstopfungen und dem stetigen Gefühl, seinen Darm entleeren zu müssen), Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Erkrankungen des Darms) leiden, können durch Hanf auf eine Minderung ihrer Beschwerden hoffen. Hanf kann dabei helfen, Krämpfe zu lösen, Schmerzen zu lindern und Durchfall, Verstopfung und Reflux zu regulieren. Und das mit einem im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten verhältnismäßig sehr geringen Ausmaß an Nebenwirkungen.

Antiemetikum
Die Brechreiz lindernde Wirkung von Hanf erweist sich v. a. zur Bekämpfung der Übelkeit während einer Chemotherapie bei Krebspatienten als ausgesprochen hilfreich. Übelkeit und Häufigkeit des Erbrechens werden gemindert. Dadurch, dass der Patient mehr essen kann und das Gegessene auch bei sich behält, kann übermäßig starker Gewichtsverlust verhindert werden.

Appetitanreger
Der Konsum von Hanf kann zu einem wahren, sogenannten „Fressflash“ führen. D. h. , der Appetit des Betroffenen kann angeregt werden und zu einer regelrechten Heißhunger-Attacke führen. Dieser Effekt kann v. a. für Menschen, die an Kachexie, Anorexie, aber auch an Gewichtsverlust in Folge einer Chemotherapie oder HIV-Erkrankung leiden, einen Segen darstellen. So führt die Hanfaufnahme nicht nur zu gesteigertem Appetit und einer durch die vermehrte Nahrungsaufnahme zu einer Gewichtszunahme, sondern die erlangte Gewichtszunahme schenkt den Patienten während ihrer Chemotherapie oder ihres Kampf mit der HIV-Erkrankung vermehrt Energie und Kraft.

Senkung des Augeninnendrucks
Bei Menschen, welche unter einem Glaukom (Grüner Star) leiden, vermag Hanf den Augeninnendruck zu senken und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Ausbreitung von Krebszellen gehemmt
Forschungen des Medical College of Virginia, welche 1974 vom National Institutes of Health (NIH) finanziert und von der Drug Enforcement Agency (DEA) veranlasst wurden, um aufzuweisen, dass Hanf Gehirnzellen vernichte und die Wirkung des Immunsystems herabsetze, brachten vollkommen unerwartete Ergebnisse. So zeigte sich bei der Untersuchung, dass Krebszellen, bei den mit Hanf behandelten Ratten, zerstört wurden, gesunde Zellen jedoch unversehrt blieben. Bei einer herkömmlichen Chemotherapie werden bekanntlicherweise nicht nur die Krebszellen zerstört, sondern auch gesunde Zellen angegriffen.

Möglichen Nebenwirkungen eines Hanfkonsums

Über die Nebenwirkungen eines Hanfkonsums zu berichten, ist nicht ganz einfach, da sich die meisten Studien und Literaturhinweise recht einseitig zeigen. Es soll hier jedoch dennoch versucht werden, aussagekräftige Angaben zu machen:

Die wohl auffälligste Nebenwirkung ist der Effekt des „high“-Werdens. Es kommt zu einem Stimmungsanstieg bis hin zur Euphorie. Der Betroffene wird redselig, seine Wahrnehmung verändert sich und seine Gefühle gewinnen an Bedeutung.

Das Vermögen zu denken, zu lernen, sich zu erinnern und sich zu konzentrieren kann leicht beeinträchtigt werden.
Gefühle der Depersonalisation, der Distanziertheit und der Unwirklichkeit können auftreten, es kann zu einer Unterbrechung der Gedankengänge kommen.
Hanfkonsum begünstigt die Entstehung psychotischer Symptome, kann psychische Störungen mit der Bildung von Wahnbildern (Paranoia) auslösen, aber auch Ängste, Dysphorie (eine meist vorübergehende Störung des Affekts in Richtung Unzufriedenheit, Gereiztheit, Übellaunigkeit, …) und Panik.

Zudem kann es im Zuge einer Hanftherapie zu Mundtrockenheit, vermindertem Tränenfluss, einer Pupillenerweiterung (Mydriasis) und Bindehautrötungen sowie zu einer gestörten Thermoregulation kommen.
Die Bewegungskoordination kann gestört werden (Ataxie), durch das unwillkürliche Zusammenziehen antagonistischer Muskelgruppen kann ein Zittern entstehen (Tremor).
Es kann zu Unregelmäßigkeiten im Herz-Kreislauf-System kommen, wie zum Beispiel zu einer Tachykardie (Herzrasen durch einen Anstieg der Pulsfrequenz) oder einer Hypotonie, einem Blutdruck unterhalb der definierten Normgrenze.
Weiters sind Effekte auf die endokrinen Funktionen und die Reproduktivität möglich.

Das „High“-Sein aus einer anderen Perspektive betrachten

Versucht man, nicht alles voreingenommen negativ zu sehen, so könnte man in all dem scheinbaren „Wirr“-Sein erkennen, dass es ein positiver Effekt ist, rasche Gedankenfolgen haben und schnell Assoziationen zu bilden. Die Wahrnehmung erscheint klarer und deutlicher. Bereits vorhandene, aber latente Eigenschaften und Fertigkeiten kommen ans Tageslicht.

Die WHO (World Health Organisation) definiert Cannabis-Produkte als „nicht suchtbildende Drogen“.

In einer Welt, in der wir von legalen, bedrohlicheren Drogen umgeben sind und hinsichtlich der Tatsache, dass es bei jeder Droge die Dosis ist, die das Gift macht, ist eigentlich nicht zu verstehen, weshalb Hanf in unserer Gesellschaft so verteufelt wird.

Zweifellos ist jeglicher Missbrauch von Hanf als Droge zu verdammen und zu vermeiden. Allerdings sollten im Gegenzug dazu nicht all seine zahlreichen positiven Effekte übersehen, vergessen oder gar ignoriert oder negiert werden.

Die Hoffnung findet sich in der Forschung, die uns lehren kann, wann, in welcher Darreichungsform und wie häufig der Konsum von Hanf für den Menschen nützlich ist oder eben auch schädlich werden kann, und des Weiteren in einer angemessenen Qualitätskontrolle.