Schwabmünchen (wifu) – Seine Lieder sind bissig und bayerisch, mit seinen Texten kritisiert er die Gesellschaft: Hans Söllner. Der dichtende, singende, Mundharmonika und Gitarre spielende Anarche der deutschen Musikszene war nun zu Gast in der ausverkauften Schwabmünchner Stadthalle und sorgte bei seinen Fans für (Abbruch-)Stimmung.

Das Konzert in der Stadthalle – „wenn es überhaupt eins geben wird“, wie er selbst anfangs zweifelte – begann Söllner mit einem 70-minütigen Monolog. Die Bildzeitung in der Hand, das Palästinatuch auf dem Kopf, sinniert er über eine Welt die, immer leerer an Menschlichkeit und Sinn, von Phrasen hohl gespült wird. „Wo sind die Werte hin, warum machen wir alles mit?“, fragte er das Publikum.

Er polemisierte über das Dasein des kleinen Mannes und den Missbrauch von Amtsgewalt, auch und vor allem in Bezug auf seine eigene Person. Er rief zum Ungehorsam und Misstrauen gegenüber dem Machtwahn auf – und appelliert an den Mut und den Humor der Menschen. Musikalisch bediente sich Söllner traditioneller Stilformen, begleitet wurde er von Manfred Puchner (Gitarre) und Stefan Hofer (Schlagzeug).

In einer Liga mit Bob Marley und Bob Dylan

„Ich hab halt das Glück gehabt, dass ich mit nur drei Akkorden zwanzig Lieder spielen kann. Und das können eben nur drei auf der Welt: Bob Marley, Bob Dylan und ich“, sagt er. Anfang der Neunziger tourte Söllner mit der Reggaeband „Bayerman Vibrations“ durch den süddeutschen Raum. Später nahm er wieder Soloprojekte auf, unter anderem sein wohl bekanntestes Album: „Der Charlie“. Beim TFF.Rudolstadt, einem der bedeutendsten und größten Folkfestivals Europas, wurde ihm 2009 der deutsche Weltmusikpreis „Ruth“ verliehen. Die Jury würdigte damit „einen dichtenden und singenden Anarchen der deutschen Musikszene, der zutiefst im bayerischen Sprach- und Lebensraum beheimatet ist“. Seine kompromisslose Haltung für ein selbstbestimmtes Leben – er setzt sich auch für die Legalisierung von Marihuana ein – brachte Söllner immer wieder vor Gericht. Sprüche wie: „Ich nehme keine Drogen. Nur Marihuana und das in geringen Mengen. Für mich ist eine geringe Menge die Menge, die ich gerade noch tragen kann. Also ungefähr 80 Kilo“ ließen ihn schnell zum gefeierten Helden der Pro-Hanf-Bewegung avancieren.

Er wird regelmäßig verklagt, unter anderem wegen Marihuana-Anbau und Polizistenbeleidigung. Explizite, bisweilen ordinäre Texte, führten auch zu zahlreichen Gefechten mit Politik und Justiz um Fragen der Meinungs- und Kunstfreiheit. Die Gesamtsumme seiner Geldstrafen soll sich mittlerweile auf über 150 000 Euro belaufen. „Ich habe inzwischen sogar einen Lieblings-Staatsanwalt“, sagt Söllner. „Das hat nicht jeder. Da muss man sich erst hinarbeiten.“

In Schwabmünchen waren es vor allen Dingen junge Fans, die Söllners Auftritt begeistert feierten.

Quelle: augsburger-allgemeine.de

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