Kalifornien, seit dem Goldrausch vor gut 150 Jahren mehr Zustand als Land, dient Bewohnern weniger verwöhnter Landstriche als Projektionsfläche für unerfüllte Begehrlichkeiten: Sonne, Blumenkinder, leichtfertig zur Schau gestellte sekundäre Geschlechtsmerkmale und ein Gouverneur, der im Ausland besser als “Terminator” bekannt ist.

Leider hat ebendieser Sonnenstaat aktuell mit einer Haushaltslücke von sagenhaften 20 Milliarden Dollar zu kämpfen. Um das Finanzloch zu stopfen, kommt so mancher auch auf Ideen, die er bislang wohl nicht öffentlich geäußert hätte. In Kalifornien wird derzeit darüber diskutiert, die im Sonnenstaat zahlreich vorhandenen Kiffer zur Kasse zu bitten. Richard Lee von der Oaksterdam University in Oakland, an der alles über die Kultivierung und den Nutzen von Cannabis gelehrt wird, unterstützt eine Wählerinitiative, die Marihuana legalisieren will. Laut einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr würden 56 Prozent der Kalifornier einer solchen Idee zustimmen. Selbst dem Wirtschaftsmagazin Economist war dies einen Bericht wert.

Die Konsequenzen wären für die Politiker in der Hauptstadt Sacramento verlockend: Schätzungen zufolge beträgt der Umsatz von Marihuanaprodukten allein in Kalifornien 14 Milliarden Dollar. Eine zehnprozentige Steuer auf diese Produkte würde also mit einem Schlag 1,4 Milliarden Dollar in die Kassen des klammen Bundesstaates spülen. Die Legalisierung oder Entkriminalisierung hätte noch einen weiteren Vorteil. Fast die Hälfte aller Drogendelikte in Kalifornien haben mit Marihuana zu tun und ein Viertel aller Häftlinge weltweit sitzt in einem amerikanischen Gefängnis. Der Staat würde also darüber hinaus Gefängnis- und Gerichtskosten einsparen.

Aus ähnlich pragmatischen Gründen wurde in Amerika schon einmal ein Rauschmittel legalisiert. 1933 beendete der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt mit dem 21. Zusatzartikel die Prohibition, Alkohol wurde besteuert. Und wieder legal konsumiert. Kaliforniens Regierungschef Arnold Schwarzenegger könnte der Cannabis-Freigabe nicht allzu kritisch gegenüberstehen. In der Dokumentation “Pumping Iron” aus den 70er Jahren sieht man den heutigen “Governator” beim Rauchen von Marihuana. Als er 2007 mit den Aufnahmen konfrontiert wurde, gab Schwarzenegger entspannt zu Protokoll: “Marihuana ist keine Droge, es ist ein Kraut.”

Quelle: sueddeutsche.de

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