Haschischgenuss im Orient weit verbreitet
Ein Sittenbild von E. Koller (1899)

Seit Jahrhunderten und auch heutzutage noch ist der Haschischgenuss im Orient weit verbreitet, und zwar frönt man ihm mit Vorliebe in den hierzu besonders eingerichteten, mit seltsamen Wandmalereien versehenen Kaffeehäusern, wo die Haschischpfeife die Runde macht und unter eintönigem Gesang- und Musik Begleitungen den Raucher in träumerische Glückseligkeit wiegt.

Es ist leicht nach zu vollziehen, dass solche Genüsse verlockend auf die Masse des Volkes wirken, und dass sogar die in hohem Gerade gesundheitsschädlichen Folgen dieses Lasters die denselben Verfallenen nicht mehr davon abzuhalten vermögen. Schon mehrfach wurde versucht, den Haschischgenuss durch gesetzliche Verbote zu steuern, so erließ beispielsweise bereits im 13. Jahrhundert der ägyptische Sultan Bebars ein diesbezügliches Verbot, und auch in der heutigen Zeit bestehen in Ägypten Gesetze, welche nicht nur den Genuss, sondern auch die Herstellung und die Einfuhr des verführerischen Krauts verbieten. Trotz deren Gesetzlichen Verboten wird dasselbe in beträchtlichen Mengen heimlich eingeführt, und zwar vorzugsweise durch griechische Schmuggler, die mit ihren leichten Segelschiffen an entlegenen Küstenstreifen Ankern, wo verwegene Beduinen auf diese warten und die beliebten und ertragreichen Handelsgüter übernehmen, um es auf ihren Kamelen in das Innere des Landes zu transportieren, falls es ihnen gelingt, den Späherblicken der Küstenwächter zu entgehen, denen sie nicht selten hartnäckigen Widerstand leisten.

Auch auf weniger gefährliche Weise gelangt ziemlich viel Haschisch durch Schmuggel nach Ägypten, indem unter anderen durch Einfuhr bestimmten Waren und Gegenständen die brisante Ware versteckt wird, und so die Zollbeamten zu täuschen verssuchen. Zöllner haben jedoch auf diesem Gebiet schon so viele Erfahrungen gesammelt, dass sie auch die noch so ausgeklügelten Verstecke ausfindig machen und dadurch den Schmuggel enorm erschweren.

Aus den Verschieden Gegenständen, in denen Schmuggler versuchten durch den Zoll zu gelangen, aber dennoch ertappt wurden, ist eine reichhaltige Sammlung angelegt worden, die dem Besucher einen interessanten Einblick in die von Schmugglern angewandten Verstecke gewährt und das man als ein Haschischschmuggel Museum bezeichnen kann.

Beim Eintritt in „Museum“ glaubt man in eine große Rumpelkammer zu sein, denn ringsum an den Wänden erblickt man ein buntes Durcheinander von Haushalts- und sonstigen Gegenständen, die sich teilweise in einem sehr schadhaften Zustand befinden. In der Mitte des Zimmers steht ein schönes Piano, dessen Klänge es nicht ahnen lassen, dass es außer musikalischen auch noch anderen Zwecken zu dienen bestimmt war. Als diese bei der Einfuhr vom den Zöllnern untersucht wurde, entdeckte man mit Hilfe eines langen Bohrers,  im innern Haschischpulver, und nach Entfernung der Rückwand zeigten sich, alle Hohlräume, sogar der unter der Klaviatur, war mit Haschischsäckchen angefüllt, worauf logischerweise das Klavier samt Inhalt beschlagnahmt wurde.

Bei einem weiteren Versuch wurden etwa zwanzig Dutzend Tischbeine eingeführt, die alle ausgehöhlt waren und im inneren mit Haschisch gefüttert waren; einige derselben sind dem Museum einverleibt worden, wo sie neben einer großen, gar nicht verdächtig aussehenden Korbflasche liegen. Dreht man diese aber um, so erblickt man in ihrem Inneren einen Blechzylinder. Die Flasche war, laut Zollerklärung, mit Haschisch Öl gefüllt; bei der Untersuchung entdeckte jedoch der Beamte mit Hilfe seines Hebers den Zylinder, worauf die Flasche auf einer Seite eingeschlagen wurde, wodurch der aus Haschisch bestehende Hauptinhalt zum Vorschein kam. Ähnlichen Zwecken diente die daneben stehende Cognac Flasche; wurde mit einem glühenden Draht, mitten entzwei geschnitten, so wird jedenfalls seitens der Beamten vermutet, und nach Einsetzung einer mit Haschisch gefüllten Blechbüchse wieder zusammengekittet und mit einem großen, alles verdeckenden Etikett versehen worden. Der Betrug wurde jedoch auf dem Zollamt entdeckt, was die Beschlagnahmung von ca. 150 solcher manipulierten Flaschen zur Folge hatte. Mit Vorliebe werden auch ausgehöhlte und sorgfältig wieder verschlossene Quadersteine und Säulen, von den das Museum auch welche besitzt, zum Haschischschmuggel verwendet, ebenso Packpapierballen und Tapetenrollen. Sogar Seifen, die eine kleine Blechbüchse umschlossen, und denen man äußerlich nichts ansehen konnte, mussten demselben Zwecke dienen, ausgehöhlte Bücher, Schemel, Feldstühle, Pferdekummete, Laternenpfähle, Feuerherde und Schubkarren. Wie viel Einfallsreichtum und Mühe durch die Schmuggler verwendet wird, zeigen die in dem Glase enthaltenen Oliven, welche teils echt, teils aus Wachstuch künstlich hergestellt und mit Haschisch angefüllt sind.

Natürlich fehlen in dem Museum auch nicht die mit doppelten Böden und Wänden versehenen Kisten, Koffer und Fässer, welch letztere zur Erschwerung der zollamtlichen Untersuchungen oft mit spitzigen Nägeln oder ähnlichem angefüllt werden. Eine häufige Verwendung zu Schmuggelzwecken finden Biskuitbüchsen mit geheimen fächern; auch in Eiskästen wurden zwischen den doppelten Wänden schon bedeutende Mengen von Haschisch gefunden. Während dem letzten griechisch türkischen Krieg wurden auffallend viele schön eingerahmte Kriegsbilder nach Ägypten eingeführt; bei näherer Untersuchung stellte es sich heraus, dass deren Hauptwert nicht in der künstlerischen Ausführung, sondern in den mit Haschisch gefüllten Rahmen bestand. Trotz der großen Erfahrung und Wachsamkeit der Zollbeamten gelingt der Haschischschmuggel doch in manchen Fällen und wirft dennoch so hohen Gewinn ab, dass die Schmuggler für ihre häufigen Verluste immer noch reichlich entschädigt werden. Ein Pfund dieses Genussmittels, das im Ursprungslande etwa zwei Franken kostet, wird in Ägypten mit fünfzehn bis zwanzig Franken bezahlt, und es ist somit alle Aussicht vorhanden, dass die Schleichhändler auch fernerhin ihren Scharfsinn und ihre Gewifftheit aufbieten werden, um die Zollbeamten zu täuschen, und dass sich das Haschischschmuggel-Museum in Alexandrien noch um manches interessante Stück bereichern wird. Denn es ist eine alte Erfahrung, die im Abendland wie im Morgenland sich stets aufs neue bestätigt, dass Gesetze, die nicht im moralischen Bewusstsein des Volkes wurzeln, sondern rein fiskalischer Natur sind, selbst von sonst ganz ehrenhaften Menschen umgangen werden, und der Schlauheit des Gewinnsüchtigen ein umso weiteres Feld der Unternehmungslust bieten, als es sich hier gleichsam um einen Kriegszustand handelt, der mit den Waffen der List geführt wird, und der neben dem Reiz des Gewinnes auch noch den des Abenteuerlichen hat.

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