Bergerdamm Stadt Nauen

Bergerdamm
Stadt Nauen

Hanffabrik ist heute nur noch ein Ortsteil von Bergerdamm-Lager, ein Dorf, das wiederum der Kreistadt Nauen im schönen Havelland in Brandenburg eingemeindet ist. Mit Hanf hat man dort heute nichts mehr am Hut, früher jedoch wurde an die Hanffabrik ein Großteil der Ernte der umliegenden Bauernhöfe verkauft und dort verarbeitet. Der Hanfanbau hatte in dieser Gegend eine lange Tradition, die Samen wurden hauptsächlich zur Ölgewinnung verwendet, das Stroh zu derben Stoffen, Seilerwaren, Segeltüchern und Zelten verarbeitet. Die eine oder andere Blüte ist natürlich auch in Vaters Pfeifchen gelandet. Tabak war für die Bauern zu teuer, der billige „Knaster“ wuchs schließlich direkt vor der Tür. Kastratenhanf gab es damals Gott sei Dank noch nicht, weshalb der leichte Rausch, der sich nach dem Genuss einstellte, für unsere Vorfahren ganz normal war und nach der schweren Arbeit für die nötige Entspannung sorgte. Während der Arbeitsaufwand in der Wachstumsphase des Hanfs dem des Getreides glich, war die Ernte ein schweres Stück Arbeit, der Hanf war sehr schwer und groß und oft waren die Stängel mit Disteln durchsetzt.

Heute gleicht die Gegend um Nauen jedem anderen dörflichen Landschaftsbild, Hanffelder findet man keine mehr. Seit 1968 wird dort kein Hanf mehr angebaut. Nur der alte Name erinnert noch an diese Tradition. Und die alten Leute können noch von der Arbeit “im Hanf“ erzählen.

Auch in Bayern wurde lange Zeit Hanf an­gebaut. Der Ort Henfenfeld beispielsweise in der Nähe von Erlangen wurde vor über 900 Jahren das erste mal urkundlich erwähnt. Der Name des Ortes ist sprachlich als “Feld, wo Hanf angebaut wird“ zu deuten, ähnlich beispielsweise dem Dorfnamen Flachslanden. Noch im 16. Jahrhundert mussten einige Anwesen den Herren von Burg Henfenfeld, den Pfinzings, Hanf abliefern, ein im ganzen Umland einzigartiger Fall. Leider wurde der Hanfanbau im Mittelalter nach und nach vom Hopfen verdrängt. Geblieben ist lediglich der Name des Ortes und die nach dem Hanf benannte Burg. Auch Henfenfeld ist heute ein ganz normales Örtchen in Franken.

Der bei der heutigen Hanfgemeinde – durch die 1998 dort stattfindende CannaBusiness – wohl bekannteste Ort ist das Städtchen Hennef an der Sieg. Mit seinen Ortsteilen Hanf, Halmshanf und Meisenhanf und dem durchfließenden Hanfbach genau der richtige Ort für eine solche Veranstaltung. Im Ortsteil Hanf gibt es außerdem eine sehr nette Kneipe, die in einer Mühle unterbracht ist die passenderweise Hanfmühle heißt. Was stutzig macht, ist allerdings die geographische Lage des Städtchens, in der Gegend war traditioneller Hanfanbau wohl wegen ungünstiger klimatischer und geologische Bedingungen weitgehend unbekannt. In der Orts-Chronik des Städtchens werden darum auch von Forschern verschiedene Deutungen des Ortsnamens diskutiert. Die Verbindung zur Hanfpflanze wird als eher unwahrscheinlich angesehen, da die Pflanze in der Gegend keinerlei Bedeutung hatte, wahrscheinlicher erscheint den Forschern, da sich der ursprüngliche Name der Siedlung nach dem durchfließenden Bach hanapha genannt, vom germanischen hanan (singen tönen) herleitet, in einer seltenen Verbindung mit apa (Fluss, Wasser). Der Gewässername Hanapha könnte dann etwa “tönendes Wasser“ bedeuten. Der Ort Hennef hätte demnach überhaupt nichts mit dem Hanfanbau zu tun. Hennef wäre damit wohl ein Beispiel dafür, dass nicht alles was Hanf (oder ähnlich) heißt, etwas mit der Pflanze zu tun haben muss. Allerdings ist ein Ort mit soviel Hanf ein echtes Kuriosum und mit oder ohne Hanftradition ein würdiger Ort für die 1998 weltgrößte Cannabismesse. Für hanfbegeisterte Hobbyforscher ist die Suche nach “Hanfdörfern“ und das Stöbern in den alten Archiven eine durchaus lohnend Sache. Da gibt es noch jede Menge zu entdecken und mit einer kleinen Tüte in der Hand macht es gleich noch mal so viel Spass zu erfahren, wie normal der Hanf und das Pfeifchen Knaster nach getaner Arbeit für unsere Vorfahren war.

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