Mehr als 75% der deutschen Bevölkerung befürworten eine medizinische Verwendung von Cannabis. Das Phytotherapeutikum soll besser analgetisch wirksam und verträglich sein als die synthetischen Cannabinoide. Diese – auch in Medizinerkreisen gelegentlich anzutreffende – Einschätzung ist äußerst kritisch zu werten, berichtete Privatdozent Dr. Hans Christian Wartenberg (Amsterdam) während des 21. Symposiums Intensivmedizin und Intensivpflege in Bremen. Die Beiträge zum Symposium sind in Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung Nr. 1/2011 erschienen.

“Cannabinoide haben wie Opioide eine Rezeptorwirkung, und wie bei Opioiden gibt es im Menschen auch Endo-Cannabinoide. Wissenschaftlich gibt es einige Hinweise, dass Cannabinoide schmerzmodulierende Wirkungen haben könnten. Pflanzlichem Cannabis wird nachgesagt, dass es u.a. analgetische, antiemetische, appetitsteigernde, muskelrelaxierende und stimmungsaufhellende Wirkungen hat. Für einige Mono-Cannabinoide konnten einige dieser positiven Wirkungen (in bescheidenem Umfang) klinisch nachgewiesen werden, für pflanzliches Cannabis fehlt dieser Nachweis jedoch weiterhin.

In Übersichtsarbeiten wird immer wieder auf die gute Verträglichkeit von Cannabis und Cannabinoiden hingewiesen. Durch wissenschaftliche Studien wird dies jedoch keinesfalls belegt. Im Gegenteil, wer aufmerksam die Arbeiten liest, wird von der hohen Rate unerwünschter Nebenwirkungen überrascht. Das gilt auch für pflanzliche Cannabinoide, die ja im Ruf stehen, besonders gut verträglich zu sein. So litten onkologische Patienten in einer Studie zu 60% unter Nebenwirkungen, während nur 40% einen leichten analgetischen Effekt hatten,” berichtet Wartenberg in:

Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 1/2011, S. 159-162

Quelle: pabst-publishers.de

 

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