“Kiffen macht dumm.”

Cannabis macht Dumm
So oder so ähnlich könnte man die Ergebnisse jener Studie, die im August 2012 durch die Medien ging, zusammenfassen. Jetzt, gute 2 Jahre später, werden jedoch erste, wissenschaftliche Gegenstimmen laut: Ein norwegischer Ökonom, Ole Rogeberg, meldet sich zu Wort und nennt die Schlussfolgerungen seiner Kollegin voreilig, ihre Methode fehlerhaft.

Die Leiterin der angefochtenen Studie, Madeline Meier von der Duke University in Neuseeland, erfuhr von dieser Kritik, als sie auf den, in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) erschienenen,

Artikel Rogebergs angesprochen wurde. Darin behauptet der Noweger “Nicht Cannabis senkte den IQ mancher Studienteilnehmer, sondern vor allem die sozioökonomischen Begleitumstände”.

Meiers Studie war mit über 1000 Probanden eine recht groß angelegte.
Vom Alter von 7 Jahren an bis zu ihrem 38. Geburtstag wurden die Testpersonen beobachtet und das Team überprüfte, neben anderen Parametern, ob und wenn ja in welcher Weise früher und/oder häufiger Konsum von Marihuana den Intelligenzquotient des jeweiligen Individuums zu senken vermag – sprich ob Kiffer, vor allem habituelle, zusehends verblöden.
Ergebnisse, die dafür sprechen, dass der Konsum von THC vor allem dem Kurzzeitgedächtnis Schaden zufügt gab es schon aus Tierversuchen. Eine dermaßen große Studie am Menschen, die auch noch über mehrere Jahrzehnte geht jedoch bis 2012 nicht.

Besonders schlecht schnitten bei Meiers Untersuchungen jene Teilnehmer ab, die bereits in jungen Jahren mit dem Konsum von Cannabis begonnen hatten und über einen längeren Zeitraum öfter als 1x/Woche dazu griffen.
Im Schnitt büßten diese Personen bis zum Ende der Studie beachtliche 10 IQ-Punkte ein.
Auch der Aufbau ihres Gehirns soll sich durch den Konsum verändert haben.
Teile des Gehirns verloren an Vernetzungen während die Zahl der Synapsen in anderen, vor allen in den für Belohnung und Impulsivität zuständigen Zentren, zunahm.
Meier argumentiert nun, dass sie nicht ausschließen möchte, dass es auch andere Faktoren gibt, die auf den Intelligenzquotient einwirken, sie die Senkung des selbigen bei manchen Teilnehmern ihrer Studie aber vor allem auf die Neurotoxizität der Substanz und die dadurch beeinträchtigte Entwicklung der noch junger Gehirne zurückführt.

Nun sind IQ-Tests generell als Mittel zur objektiven Erfassung von Intelligenz umstritten. Unterschiedliche IQ-Test-Verfahren begünstigen unterschiedliche Bevölkerungs-Gruppen und dank des sogenannten “Flynn Effekts” verbessern sich die durchschnittlichen Ergebnisse, die bei derartigen Tests erzielt werden, seit Jahrzehnten aber darum geht es Rogeberg nicht.
Für bedeutungsvoller hält er, dass gerade Kinder aus bildungsfernen Schichten oft schon frühzeitig den Zugang zu illegalen Substanzen finden.
Gleichzeitig sind dies aber auch häufig genau die Kinder, die in ihrem Elternhaus besonders wenig geistige Förderung erfahren und sich im weiteren Verlauf ihres Lebens häufig für eine berufliche Laufbahn ohne große Herausforderungen entscheiden.
Der Verstand eines Menschen ist jedoch wie ein Messer, das an immer neuen Aufgaben geschliffen werden muss um nicht abzustumpfen.
Das von Rogeberg aufgezeigte Problem bei Meiers Studie ist, dass nicht genau ermittelt wurde, welcher Anteil der verlorenen IQ-Punkte auf Grund des Substanzmissbrauchs zustande kam und welcher den Lebensumständen der Testpersonen zuzuschreiben ist.

Rogeberg wirft seiner Kollegin vor, in diesem Punkt nicht differenziert genug bewertet und dadurch eher wenig aussagekräftige Ergebnisse erhalten zu haben.
Er beruft sich auf Daten aus Adoptions-Studien, die beweisen, dass das Millieu, in dem ein Mensch aufwächst, mehr Einfluss auf seine Intelligenz hat als seine Erbanlagen und stellt die These in den Raum, dass der Einfluss der äußeren Umstände möglicherweise auch größer sein könnte als der von nervenschädigenden Substanzen.

Der Norweger schlägt daher vor, die derzeitige Drogenpolitik zu überdenken und stattdessen vermehrt auf gezielte Förderung von Kindern aus sozioökonomisch schwächer gestellten Familien zu setzten.
Damit ließe sich, seiner Meinung nach, dem vermeintlich THC-bedingten IQ-Verfall dieser Jugendlichen und, damit einhergehend, auch häufig deren gesellschaftlichem Abstieg deutlich erfolgversprechender entgegenwirken als mit der bloßen Kriminalisierung von Marihuana.{jcomments on}

 

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