VON BENJAMIN JESCHOR, 18.02.08, 20:20h

Mann hatte 25 bepflanzte Töpfe in seiner Wohnung.

Bonn – Nur zufällig kam heraus, dass der 40 Jahre alte Rezi M. (Name geändert) in seiner Wohnung eine kleine Cannabis-Plantage betrieb: Als es im April des vergangenen Jahres in dem Mehrfamilienhaus brannte, fanden die Ermittler 25 Töpfe, in denen die Pflanzen unter anscheinend professionellen Bedingungen gezüchtet wurden. Wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln musste sich der berufsunfähige Angeklagte jetzt vor dem Amtsgericht verantworten.

Er räumte sofort ein, die Pflanzen gezüchtet zu haben, um Marihuana für den Eigenbedarf zu haben und nicht ins kriminelle Milieu abzurutschen. Allerdings benutze er das Cannabis seit Jahren als Schmerztherapie. Der nachweislich an einer Psychose erkrankte und unter Betreuung stehende Mann gab an, dass er stets Unruhe in den Beinen sowie im Kopf verspüre und das Marihuana ihn beruhige. Dann erzählte der 40-Jährige, dass es gar nicht so leicht gewesen sei, die Pflanzen in der Wohnung zu züchten. Obwohl er Bücher über den richtigen Anbau gelesen habe, seien die Blätter von Würmern geschädigt worden.

Wie ein Psychiater der Rheinischen Landesklinik berichtete, wird Rezi M. seit 2000 ambulant behandelt. Trotz der Verabreichung von Medikamenten gegen die Psychose rauchte der Angeklagte weiter sein Marihuana. Er habe sogar vom Arzt eine Bescheinigung haben wollen, dass er die Drogen weiter anbauen dürfe. Einen medizinischen Beweis, dass Cannabis bei einer Psychose helfe, gibt es nach Angaben des Mediziners allerdings nicht. Vielmehr würde das heutige Marihuana mit seinem meist höheren Reinheitsgehalt eher zu Psychosen führen.

Die von der Verteidigung angedachte Verwarnung unter Strafvorbehalt lehnte der Amtsrichter allein aus „generalpräventiven Gesichtspunkten“ ab. Dies würde dem Missbrauch von Marihuana „Tür und Tor öffnen“, hieß es. Dafür bleibt das Strafmaß von 30 Tagessätzen à fünf Euro (150 Euro) „am untersten Rand“. Und der Verteidiger versichert: „Momentan hat er nichts angebaut.”

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