Ein Bauer pflanzte Hanf im Maisfeld an – aus beruflicher Neugier, aber auch, weil ein Verdienst lockte, befand gestern der Richter.

«Wie kommt ein rechtschaffener Bauer wie Sie dazu, etwas Verbotenes anzupflanzen?»

 

Richter Samuel Schmid ist die Verwunderung nur zu gut anzuhören. Im grossen Saal des Langnauer Amtshauses sitzt ein junger Mann, wie er nicht besser ins Bild eines aufrechten, mit seinem Boden und den Gepflogenheiten seiner Heimat verwurzelten Emmentalers passen könnte. Der Landwirt bewirtschaftet den Hof der Eltern und wohnt neben ihnen im Stöckli, verdient in einem Handwerksbetrieb etwas dazu und nimmt rege am Vereinsleben teil.

Schön versteckt im Mais

Bei diesem Mann also hat die Polizei – im hohen Mais vor allzu neugierigen Augen schön versteckt – letztes Jahr über achtzig Stauden scharfen Cannabishanf gefunden?

Prompt und unverblümt

«Was mir vorgeworfen wird, ist richtig», gibt der Angeschuldigte zu Protokoll, «ich habe einen Seich gemacht und werde so etwas nie wieder tun.» Im ersten Moment scheint die Sache klar und unbestritten zu sein. Doch dann will Richter Schmid wissen, was der Landwirt mit den die Sinne berauschenden Pflanzen denn habe anstellen wollen – und es tauchen immer mehr Fragezeichen auf.

Begonnen habe es «im Dienst, wo bald jeder kiffte», erzählt der Bauer zuerst noch. Einer dieser Kumpel schickte ihm später ein paar Samen mit der Post zu. Daraus zog er, «weil ich sehen wollte, was aus dem Samen wird», in einer ersten Runde drei Stauden und aus deren Samen dann die über achtzig Stauden – wieso diese zweite Runde und wieso so viele, wo er doch selber nicht kiffe? Der Blick von Richter Schmid wird immer bohrender.

Die Antwort kommt prompt und unverblümt. «Ich rechnete damit, dass nur ein Bruchteil der Pflanzen überlebt – wenn Sie Tomaten säen und dann gedeihen wider Erwarten alle, haben Sie doch auch Freude, oder?»

Er habe den Hanf in Kissen einnähen wollen, «ich hatte meiner Grossmutter, die nicht gut schlafen kann, schon eines versprochen». Die Stauden hätte er auch in den Stall gehängt, «denn sie halten die Fliegen gut ab». Ja, vielleicht hätte er im Kollegenkreis auch mal etwas geraucht, obwohl: «Ich habe einmal im Militär, ohne es zu wissen, ein Haschgüezi erwischt, und hatte dann den Arzt nötig.»

Vollends den Kopf schüttelt Richter Schmid, als ihm der Bauer noch auftischt: Aus der Hanfernte wäre eh nichts geworden, «weil wir die noch unreifen Pflanzen zehn Tage nach der Polizeirazzia mit dem Mais eh untergefahren hätten».

Tadelloser Lebenswandel

So viel Aufwand für nichts betreibe niemand, sagt der Richter deshalb später im Urteil und begründet so die 1250 Franken Busse und die bedingte Geldstrafe von 2000 Franken. Dem Bauern sei zwar zuzugestehen, «aus beruflicher Neugierde und leichtsinnig » gehandelt zu haben. Im Hinterkopf müsse der Gedanke an einen Zusatzverdienst trotz allem gelockt haben. Der Angeschuldigte müsse gewusst haben, dass der Hanf nicht harmlos sei. Den Samen habe er laut eigenen Aussagen ja «von einem Langhaarigen, der nicht in der Landi einkauft», erhalten.

Dass er auf eine härtere Strafe verzichtet, erklärt Schmid mit dem tadellosen Lebenswandel des jungen Mannes. «Das Leben geht weiter», gibt er ihm dann noch aufmunternd mit auf dem Weg.

 

 

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