von Felix Burch

Dass Alkohol und Drogen in den Schweizer Skigebieten zum Alltag gehören, beweist eine aktuelle Umfrage von 20 Minuten Online. Während die Bergbahn-Betreiber die Augen verschliessen, schlagen Fachleute Alarm.

Trinken und Schneesport gehört für viele Schweizer zusammen.

Trinken und Schneesport gehört für viele Schweizer zusammen. (Bild: Keystone)

Wochenende für Wochenende und während den Sportferien täglich steigen in den Schweizer Skigebieten wilde Partys. Laute Musik, Sonne, Schnee sind die Basis für einen guten Skitag. Doch für manch einen braucht ein perfekter Tag in den Bergen defintiv noch etwas anderes: Literweise Alkohol. Und nicht selten wird auch schon Mal zu anderen Drogen gegriffen. Mit Slogans wie «Abfeiern mit Spassgarantie» locken die Skigebiete die Partyhungrigen in die Berge. Längst finden Party-Events nicht nur im Tal statt. Viele Gebiete bieten Vollmondpartys in Gipfelhütten an. Dass dort nicht nur Fondue gegessen wird und die Gäste ihre Talfahrten oft in nicht mehr ganz nüchternem Zustand in Angriff nehmen, ist ein Fakt.

Abschwingen und ordentlich was Wegpumpen

Studien und Zahlen zum Alkohol- und Drogenkonsum im Schweizer Schnee gibt es keine fundierten. Eine 20 Minuten Online-Umfrage, an welcher sich 2475 Personen beteiligt haben, zeigt indes, dass zwei von fünf Wintersportlern durchaus gelegentlich auf der Piste trinken. Für 18 Prozent gehört Alkoholkonsum und Schneesport schon fast zusammen. Insgesamt 58 Prozent haben während dem Skitag somit Promille im Blut. Es bleibt laut der Umfrage oft auch nicht einfach bei einem Kafi Lutz: Satte 29 Prozent geben an, dass über den Tag verteilt schon einiges zusammen kommt. Dennoch haben 45 Prozent das Gefühl, ihr Alkoholkonsum wirke sich nicht auf den Fahrstil aus.

Grösseres Unfallrisiko mit Alkohol

Fachleute wissen, dass das Gegenteil der Fall ist: «Alkohol wirkt enthemmend, dadurch nehmen die Schneesportler mehr Risiko auf sich und dies kann zu Unfällen führen», sagt Monique Helfer, Mediensprecherin der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol und andere Drogenprobleme (SFA). «Dazu kommt, dass die Konzentration nachlässt», fügt Bfu-Sprecher Daniel Menna an.

«Das ist bei uns kein Thema»

Die Verantwortlichen der Bergbahnen wollen hingegen nichts von einem Alkohol- oder Drogenproblem wissen, obwohl 17 Prozent der Befragten auf der Piste Marihuana konsumieren und fast vier Prozent beim Ski- oder Snowboardfahren koksen. Roman Weissen von der Medienstelle der Seilbahnen Schweiz (SBS) sagt: «Das ist bei uns kein Thema». Ansonsten will er sich einem Kommentar zu dem Thema enthalten. Nicht unbedingt überraschend, immerhin ist die Restauration in den Skigebieten Teil der Bergbahn-Unternehmen. Aber nicht nur der Verband winkt ab. Auch grosse Skigebiete wie Laax oder Samnaun geben an, man habe damit kein Problem, es seien keine Auffälligkeiten bekannt.

Trinkpartys ins Tal verlagern

Was von den Bergbahnen- und Skigebietverantwortlichen nicht gesehen wird oder nicht gesehen werden will, ist bei den Politikern schon seit längerem angekommen: «Betrunken auf den Pisten zu fahren, ist schlicht fahrlässig», sagt Niklaus Hari, Kommunikationsleiter der EVP. Die Partei fordere deshalb, dass Angetrunkene die Unfallkosten selber übernehmen. Und: «Wir haben nichts gegen Après-Skipartys und dergleichen, die Betreiber sollen diese aber doch bitte nur im Tal veranstalten».

Quelle: 20min.ch

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